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<title>FID Recht - Recht und Kultur</title>
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	<title type="html">Zwischen Analyse und Intervention: Öffentliche Wissenschaft in der südafrikanischen Landreform</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Zur Rolle wissenschaftlicher Expertise im Verfassungsprozess um &bdquo;Enteignung ohne Entsch&auml;digung&ldquo;



...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><strong>Zur Rolle wissenschaftlicher Expertise im Verfassungsprozess um &bdquo;Enteignung ohne Entsch&auml;digung&ldquo;</strong></p>



<p>Was hei&szlig;t es eigentlich, als Wissenschaftler in eine laufende Verfassungsdebatte einzugreifen? Und was, wenn man den politischen Zielen vieler Beteiligter zustimmt, zugleich aber Zweifel an den vorgeschlagenen rechtlichen Mitteln hat?</p>



<p>Als das s&uuml;dafrikanische Parlament im Februar 2018 beschloss, eine m&ouml;gliche Verfassungs&auml;nderung zur &bdquo;Enteignung ohne Entsch&auml;digung&ldquo; zu pr&uuml;fen, entz&uuml;ndete sich eine der intensivsten rechtspolitischen Debatten seit dem Ende der Apartheid. Im Zentrum stand dabei nicht nur die Frage, ob und wie Eigentumsrechte ver&auml;ndert werden sollten. Ebenso umstritten war, wer in dieser Debatte mit welcher Autorit&auml;t sprechen kann &ndash; und welche Rolle wissenschaftliche Expertise dabei spielen sollte.</p>



<p>Die Forderung nach einer entsch&auml;digungslosen Enteignung wurde von vielen als notwendiger Schritt hin zu einer schnelleren und umfassenderen Landumverteilung verstanden. Angesichts fortbestehender massiver Ungleichheiten in S&uuml;dafrika war dies f&uuml;r viele eine Frage grundlegender Gerechtigkeit. Zugleich &auml;u&szlig;erten zahlreiche Expert:innen erhebliche Zweifel daran, ob eine solche Verfassungs&auml;nderung tats&auml;chlich geeignet w&auml;re, die strukturellen Probleme der Landreform zu l&ouml;sen &ndash; etwa administrative Defizite, mangelnde staatliche Kapazit&auml;ten oder Zielkonflikte zwischen Umverteilung und wirtschaftlicher Stabilit&auml;t. Damit entstand eine Spannung, die f&uuml;r &ouml;ffentlich engagierte Forschung grundlegend ist: Wie l&auml;sst sich wissenschaftliche Analyse in eine politisch hoch aufgeladene Debatte einbringen, ohne selbst Teil einer polarisierenden Konfliktlogik zu werden?</p>



<p><strong>&Ouml;ffentliche Wissenschaft im Spannungsfeld von Recht und Politik</strong></p>



<p>In der Ethnologie bzw. Sozial- und Kulturanthropologie wird dieses Problem h&auml;ufig unter dem Begriff der &bdquo;Public Anthropology&ldquo; diskutiert. Gemeint ist damit eine Forschung, die sich nicht auf akademische Analyse beschr&auml;nkt, sondern sich bewusst an gesellschaftlichen Aushandlungen beteiligt. Gerade im Kontext rechtlicher Transformationsprozesse wirft dies jedoch besondere Fragen auf.</p>



<p>Denn rechtliche Reformen sind stets in komplexe soziale und politische Konstellationen eingebettet. Unterschiedliche Akteur:innen &ndash; politische Entscheidungstr&auml;ger:innen, Betroffene, Aktivist:innen und Expert:innen &ndash; verfolgen oft divergierende Ziele und greifen dabei auf unterschiedliche Formen von Wissen zur&uuml;ck. Wissenschaftliche Expertise ist in diesem Gef&uuml;ge nur eine Stimme unter vielen, beansprucht aber zugleich besondere Autorit&auml;t.</p>



<p>F&uuml;r Forschende stellt sich daher die Frage, welchen Beitrag sie angesichts ihrer eigenen Position sinnvoll und verantwortungsvoll leisten k&ouml;nnen. Dies gilt umso mehr, wenn &ndash; wie im s&uuml;dafrikanischen Fall &ndash; die Ziele vieler Betroffener geteilt werden, w&auml;hrend zugleich Zweifel an den vorgeschlagenen rechtlichen Mitteln bestehen.</p>



<p><strong>Ein Projekt im Kontext der Verfassungsdebatte</strong></p>



<p>Vor diesem Hintergrund stellte sich mir als Rechtsethnologen mit langj&auml;hriger Forschungserfahrung zur s&uuml;dafrikanischen Landreform zu Beginn des Verfassungs&auml;nderungsprozesses die Frage, wie eine solche Intervention konkret aussehen k&ouml;nnte. Anstatt selbst eine weitere Position in der bereits stark polarisierten Debatte einzunehmen, entstand die Idee, einen Raum f&uuml;r einen breiteren, systematischeren Austausch zu schaffen.</p>



<p>Gemeinsam mit s&uuml;dafrikanischen Kolleginnen initiierte ich daher im Rahmen einer Projektgruppe am Stellenbosch Institute for Advanced Study (STIAS) ein internationales Netzwerk von Expert:innen aus den Bereichen Eigentumsrecht, Landreform und Umverteilungsgerechtigkeit. Ziel war es, die Diskussion &uuml;ber &bdquo;Enteignung ohne Entsch&auml;digung&ldquo; in einen gr&ouml;&szlig;eren Zusammenhang zu stellen und unterschiedliche Perspektiven nicht nur nebeneinanderzustellen, sondern in einen produktiven Dialog zu bringen.</p>



<p>Im Februar 2022 m&uuml;ndete diese Zusammenarbeit in eine &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Konferenz, an der Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Disziplinen ebenso beteiligt waren wie Akteur:innen mit unmittelbarer politischer und praktischer Erfahrung. Die Beitr&auml;ge wurden anschlie&szlig;end in dem online frei zug&auml;nglichen Sammelband&nbsp;<em>Beyond Expropriation without Compensation: Law, Land Reform and Redistributive Justice in South Africa&nbsp;</em>ver&ouml;ffentlicht. Anders als viele unmittelbare Interventionen in den politischen Prozess zielte dieses Projekt weniger auf kurzfristige Einflussnahme als auf eine nachhaltige Erweiterung des Diskussionsrahmens.</p>



<figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-673x1024.png" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-673x1024.png 673w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-197x300.png 197w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-768x1169.png 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-1009x1536.png 1009w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover.png 1171w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-673x1024.png 673w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-197x300.png 197w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-768x1169.png 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover-1009x1536.png 1009w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1._Book-Cover.png 1171w" sizes="(max-width: 673px) 100vw, 673px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Der Open-Access-Sammelband&nbsp;<em>Beyond Expropriation without Compensation</em>.&nbsp;Cambridge University Press, 2024.</figcaption></figure>



<p><strong>Zwischen Zur&uuml;ckhaltung und Einfluss</strong></p>



<p>Entscheidend war dabei eine bewusste Rollenentscheidung: Statt als politischer Akteur aufzutreten, habe ich meine Rolle vor allem als Organisator, Kurator und Kommentator verstanden. Im Vordergrund stand nicht die Formulierung eigener L&ouml;sungsvorschl&auml;ge, sondern die Strukturierung eines Diskussionsraums, in dem unterschiedliche Formen von Expertise sichtbar und aufeinander bezogen werden konnten.</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-1024x651.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-1024x651.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-300x191.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-768x488.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-1536x977.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-2048x1302.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-1024x651.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-300x191.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-768x488.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-1536x977.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2._Roundtable-Diskussion-im-Rahmen-des-Book-Launch-am-STIAS-27.-Mai-2024-2048x1302.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>&Ouml;ffentliche Diskussion beim Book Launch von&nbsp;<em>Beyond Expropriation without Compensation</em>&nbsp;am Stellenbosch Institute for Advanced Study (STIAS), 27. Mai 2024. Foto: Noloyiso Mtembu, STIAS Communication Department.</figcaption></figure>



<p>Ein solcher Ansatz verschiebt den Fokus &ouml;ffentlicher Wissenschaft. Er zielt weniger darauf, konkrete politische Ergebnisse zu erzeugen, als darauf, die Bedingungen zu kl&auml;ren, unter denen unterschiedliche rechtliche und politische Optionen &uuml;berhaupt sinnvoll bewertet werden k&ouml;nnen. In diesem Sinne l&auml;sst sich die gemeinsame Publikation auch als ein &bdquo;Archiv politischer Alternativen&ldquo; verstehen &ndash; als eine Ressource, die &uuml;ber den unmittelbaren politischen Moment hinaus verf&uuml;gbar bleibt und in zuk&uuml;nftigen Aushandlungen aufgegriffen werden kann.</p>



<p><strong>Reflexion im Kontext des Kollegs</strong></p>



<p>Ein nachfolgendes Fellowship am K&auml;te Hamburger Kolleg &bdquo;Einheit und Vielfalt im Recht&ldquo; bot schlie&szlig;lich die M&ouml;glichkeit, diese Erfahrungen systematisch zu reflektieren und in eine breitere analytische Perspektive zu &uuml;berf&uuml;hren. Hier entstand unter anderem die Einleitung des Sammelbandes sowie die &Uuml;berarbeitung des Gesamtmanuskripts.</p>



<p>Gerade in einem interdisziplin&auml;ren Umfeld, das sich mit rechtlicher Vielfalt aus historischer, ethnologischer und rechtswissenschaftlicher Perspektive befasst, wird deutlich, dass rechtliche Transformationen nicht allein durch normative Setzungen verstanden werden k&ouml;nnen. Sie sind immer Teil umfassender sozialer Aushandlungsprozesse, in denen Wissen, Macht und Legitimit&auml;t eng miteinander verwoben sind.</p>



<p><strong>Was kann &ouml;ffentliche Wissenschaft leisten?</strong></p>



<p>Die s&uuml;dafrikanische Debatte um &bdquo;Enteignung ohne Entsch&auml;digung&ldquo; zeigt exemplarisch, dass &ouml;ffentlich engagierte Forschung weder einfache L&ouml;sungen liefern noch sich vollst&auml;ndig aus politischen Prozessen heraushalten kann. Ihr spezifischer Beitrag liegt vielmehr darin, komplexe Problemlagen zu strukturieren, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und damit die Voraussetzungen f&uuml;r informierte rechtliche und politische Entscheidungen zu verbessern.</p>



<p>Gerade darin liegt &ndash; jenseits unmittelbarer Interventionen &ndash; ein zentraler Mehrwert auch f&uuml;r die Rechtsforschung: die Einsicht, dass rechtliche Ordnungen nicht nur normative Systeme sind, sondern zugleich soziale Prozesse, deren Dynamiken verstanden werden m&uuml;ssen, wenn sie wirksam gestaltet werden sollen.</p>



<p><strong>Weiterf&uuml;hrende Informationen</strong></p>



<ul>
<li><em>Beyond Expropriation without Compensation: Law, Land Reform and Redistributive Justice in South Africa</em>&nbsp;(Open-Access-Sammelband zum hier diskutierten Projekt):<br><a href="https://www.cambridge.org/core/books/beyond-expropriation-without-compensation/00D7E03A4D13812F1A793C844C62F638?utm_source=chatgpt.com#fndtn-contents" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cambridge University Press &ndash; Open Access Volume</a></li>



<li>Projektseite des Stellenbosch Institute for Advanced Study (STIAS) zur internationalen Forschungsgruppe &bdquo;Compensation through Expropriation without Compensation&ldquo;:<br><a href="https://www.stias.ac.za/projects/compensation-through-expropriation-without-compensation-land-reform-and-the-future-of-redistributive-justice-in-south-africa-2/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">STIAS Project Website</a></li>



<li>Weitere Hintergr&uuml;nde zur Rolle &ouml;ffentlicher Wissenschaft in der s&uuml;dafrikanischen Landreform bietet mein Beitrag &bdquo;Strategische Netzwerke inmitten konfligierender Positionalit&auml;ten&ldquo; im deutschsprachige Open-Access-Sammelband&nbsp;<em>Public Anthropology</em>:<br><a href="https://campus.de/public-anthropology/CAM45943?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Campus Verlag &ndash; Public Anthropology</a></li>
</ul>



<div><figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-1024x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-2048x2048.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Olaf_Zenker-2048x2048.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></figure><div>
<p>Olaf Zenker ist Kultur- und Sozialanthropologe und forscht unter andrem zu postliberalen Affordanzen: Liberalem Legalismus, normativem Pluralismus und populistischer Kritik in S&uuml;dafrika. Er ist von April 2026 bis September 2026 Fellow des Kollegs..</p>
</div></div>



<hr>



<p><strong>Zitieren als:</strong></p>



<p>Zenker, Olaf, Zwischen Analyse und Intervention: &Ouml;ffentliche Wissenschaft in der s&uuml;dafrikanischen Landreform, EViR blog, 15.06.2026, <a href="https://www.evir.uni-muenster.blog/?p=7043" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.evir.uni-muenster.blog/zwischenanalyseundintervention/</a>.</p>



<p><strong>Lizenz:</strong></p>



<p>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



<hr>



<p></p>]]></content>
	<updated>2026-06-15T06:44:14+00:00</updated>
	<author><name>Marla Kaminsky</name></author>
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		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<title type="html">US-Gericht bestraft Anwälte wegen KI-Halluzinationen</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.golem.de/news/justiz-richter-sanktioniert-anwaelte-wegen-ki-halluzinationen-2606-209603.html#google_vignette" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.golem.de/news/justiz-richter-sanktioniert-anwaelte-wegen-ki-halluzinationen-2606-209603.html#google_vignette</a></p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Urteil: Google haftet für KI-Lügen in der Suche</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/kuenstliche-intelligenz-google-muss-fuer-ki-zusammenfassungen-haften-a-511f1fb6-0f07-4de1-abc3-b7c9e3b8268f" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.spiegel.de/netzwelt/kuenstliche-intelligenz-google-muss-fuer-ki-zusammenfassungen-haften-a-511f1fb6-0f07-4de1-abc3-b7c9e3b8268f</a></p>
<blockquote><p> Einem Verlag wurde in dem KI-Textabschnitt f&auml;lschlicherweise unlauteres Gesch&auml;ftsgebaren unterstellt. Er klagte &ndash; und gewann.</p></blockquote>
<p>Urteil des LG M&uuml;nchen I<br>
<a href="https://the-decoder.com/wp-content/uploads/2026/06/26_O_869_26_begl_Abschrift_Urteil_v_28_05_2026_Geschwarzt_Geschwarzt_Geschwarzt.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://the-decoder.com/wp-content/uploads/2026/06/26_O_869_26_begl_Abschrift_Urteil_v_28_05_2026_Geschwarzt_Geschwarzt_Geschwarzt.pdf</a></p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Notes From Unsettling Ground</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>What do we owe the people who hand us their stories?
The post Notes From Unsettling Ground appeared ...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>What do we owe the people who hand us their stories?</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/notes-from-unsettling-ground/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Notes From Unsettling Ground</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Karminn C.D. Daytec Yañgot</name></author>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>This article examines the flight of Israeli women and children after 7 October 2023 as a form of crisis-driven mobility that remains largely invisible to refugee and migration regimes.</p>
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	<author><name>Alice Gaya</name></author>
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	<title type="html">Urteilsveröffentlichungen – Datenschutz behindert die Transparenz</title>
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<p><a href="https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/themen/recht-gesetz/justizdatenbanken-wenig-daten" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/themen/recht-gesetz/justizdatenbanken-wenig-daten</a></p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">„Die Grenze zwischen Ausländer und Untertan war fließend“</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Interview mit Radhika Singha &uuml;ber die Kategorie &sbquo;ausl&auml;ndisch&lsquo; im kolonialen Indien



Das koloniale...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><strong>Interview mit Radhika Singha &uuml;ber die Kategorie &sbquo;ausl&auml;ndisch&lsquo; im kolonialen Indien</strong></p>



<p>Das koloniale Indien des 19. Jahrhunderts war ein Flickenteppich von Rechtsordnungen mit Territorien unter direkter britischer Herrschaft, die mit Gebieten der sogenannten indischen F&uuml;rstenstaaten, den&nbsp;<em>Princely States</em>,<em>&nbsp;</em>durchsetzt waren. An den unscharf definierten Au&szlig;engrenzen rang die indische Regierung mit Persien, Afghanistan und China um Einfluss. Die Untertanen der F&uuml;rstenstaaten wurden im internationalen Kontext als britische &sbquo;Schutzbefohlene&lsquo; angesehen, konnten aber im Inland als ausl&auml;ndische Staatsb&uuml;rger behandelt werden. Radhika Singha ist Historikerin und Expertin f&uuml;r das koloniale Indien. Am Kolleg untersuchte sie den&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;von 1864, um zu verstehen, wie die variable Unterscheidung zwischen Ausl&auml;ndern und Untertanen es der Regierung erm&ouml;glichte, die Rechtsvielfalt des indischen Reiches zu verwalten und sich gleichzeitig in internationalen Foren als koh&auml;rente politische Einheit zu pr&auml;sentieren.</p>



<div><figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-1024x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Radhika_Singha.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></figure><div>
<p>Radhika Singha lehrte bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2021 neuere und neueste indische Geschichte an der Jawarharlal Nehru University in Delhi. Zu ihren Forschungsgebieten z&auml;hlen die Sozialgeschichte von Kriminalit&auml;t und Strafrecht, koloniale Gouvernementalit&auml;t, die Geschichte der Arbeit sowie Grenzen und Grenz&uuml;berschreitung in S&uuml;dasien. Sie war von Januar 2023 bis Dezember 2023 Fellow des Kollegs.</p>
</div></div>



<p><strong>Professor Singha, was genau wurde im&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;von 1864 geregelt?</strong></p>



<p>Bis 1858 wurde das britische Territorium in Indien von einer Handelsgesellschaft, der East India Company (EIC), regiert, die sich um die unkontrollierte Einreise europ&auml;ischer britischer Untertanen nach Indien ebenso k&uuml;mmerte wie um die Kontrolle der Anwesenheit von ausl&auml;ndischen Staatsb&uuml;rgern. Mit dem&nbsp;<em>Charter Act</em>&nbsp;von 1813 erhielt sie die Befugnis, britische Staatsb&uuml;rger, die ohne entsprechende Genehmigung nach Indien kamen, auszuweisen. Das Parlament erteilte ihr diese Befugnis nicht nur, um ihre Handelsrechte zu verteidigen, sondern auch, um sicherzustellen, dass der Frieden und die Sicherheit des britischen Territoriums nicht durch einen Zustrom von &sbquo;europ&auml;ischen Abenteurern und Vagabunden&lsquo; gef&auml;hrdet wurden, die die &sbquo;Einheimischen&lsquo; unterdr&uuml;cken und ihre religi&ouml;sen Gef&uuml;hle mit F&uuml;&szlig;en treten k&ouml;nnten.</p>



<p>1815 erteilte das britische Parlament der EIC die Befugnis, sowohl &sbquo;fremde&lsquo; bzw. &sbquo;ausl&auml;ndische&lsquo; als auch britische Untertanen aus dem Hoheitsgebiet zu entfernen. In diesem Statut wie auch in den nachfolgenden Gesetzen von 1857 und 1864 war &sbquo;ausl&auml;ndisch&lsquo; (<em>foreign</em>) eine Standardkategorie. Es handelte sich um alle Personen, die keine europ&auml;ischen oder indischen britischen Untertanen waren. Dazu geh&ouml;rten also auch die Untertanen der F&uuml;rstenstaaten, deren Territorien zwei F&uuml;nftel des indischen Reiches ausmachten, die Untertanen der franz&ouml;sischen und portugiesischen Enklaven in Indien sowie die der autonomen Staaten an den Grenzen Indiens. Die Grenze zwischen Ausl&auml;nder und Untertan war sehr flie&szlig;end. Nach dem&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;konnten Untertanen der F&uuml;rstenstaaten als Ausl&auml;nder ausgewiesen werden. Au&szlig;erhalb Indiens waren sie jedoch britische Schutzbefohlene, die sich an die au&szlig;enpolitischen Verpflichtungen Gro&szlig;britanniens halten mussten, z. B. in Bezug auf den Sklavenhandel in Sansibar und Muscat. Die Bewohner umstrittener Grenzgebiete konnten im Landesinneren als Ausl&auml;nder behandelt werden, an der Grenze jedoch als werdende Untertanen.&nbsp;</p>



<p>Die ersten vier Abschnitte des&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;von 1864 verliehen den Zentral- und Provinzregierungen die Befugnis zur Ausweisung von ausl&auml;ndischen Personen, die sie jederzeit aus&uuml;ben konnten. Die anderen Abschnitte &uuml;ber die Kontrolle der Einreise, des Aufenthalts und der Freiz&uuml;gigkeit traten nur unter besonderen Umst&auml;nden in Kraft. Auf diese Weise konnte das Kolonialregime behaupten, dass es den freien Handel und die Freiz&uuml;gigkeit aufrechterhielt, w&auml;hrend es den lokalen Regierungen erlaubte, Abschiebungsanordnungen zu nutzen, um den Schutz der Bewohner des britischen Territoriums vor unordentlichen oder gef&auml;hrlichen &sbquo;Ausl&auml;ndern&lsquo; aus den F&uuml;rstenstaaten oder Grenzgebieten zu dramatisieren.&nbsp;</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi.png" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi.png 850w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi-300x260.png 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi-768x666.png 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi.png 850w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi-300x260.png 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Political-Divisions-of-the-Indian-Empire-c-1916-downloaded-from-fi-768x666.png 768w" sizes="(max-width: 850px) 100vw, 850px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Die Karte von 1916 zeigt die Aufteilung des kolonialen Indiens in die sogenannten F&uuml;rstenstaaten (gelb) und die Gebiete unter direkter britischer Herrschaft (rot). <br>&copy; R.V. Russell: The Tribes and Castes of the Central Provinces of India, London 1916</figcaption></figure>



<p><strong>Sie schreiben, dass die moderne internationale Ordnung mit scharf abgegrenzten Nationalstaaten nicht nur durch die Kontrolle der Migration an den nationalen Grenzen entstanden ist, sondern auch durch &bdquo;eine Vielzahl allt&auml;glicher polizeilicher Praktiken, die auf der Einbeziehung oder dem Ausschluss von Menschen aus der internen Gerichtsbarkeit basieren&ldquo;. K&ouml;nnen Sie dies n&auml;her erl&auml;utern?</strong></p>



<p>Die Befugnis zur Ausweisung wurde manchmal politisch genutzt, um Netzwerke zu zerschlagen, die die koloniale Autorit&auml;t bedrohten. Der&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;von 1864 ging jedoch in eine Reihe von Gesetzen &uuml;ber, die sich mit &sbquo;Vagabundiererei&lsquo; befassten. &sbquo;Vagabundieren&lsquo; (<em>vagrancy</em>) war die Sammelbezeichnung f&uuml;r alle Lebensweisen, die den kolonialen Bestrebungen zur Schaffung einer befriedeten, sesshaften, hierarchischen Agrargesellschaft im Wege standen und die sich gegen ein Leben wehrten, das auf freiem Milit&auml;rdienst, Viehzucht, nomadischem Saumhandel und Forstwirtschaft beruhte. Die &sbquo;kriminellen und vagabundierenden&lsquo; Elemente, von denen man annahm, dass sie eine gewisse kulturelle und territoriale Verankerung in einer bestimmten britischen Provinz hatten, sollten in regierbare britische Untertanen verwandelt werden. Im Rahmen der Paragraphen &uuml;ber schlechte Lebensf&uuml;hrung in der Strafprozessordnung oder des&nbsp;<em>Criminal Tribes Act</em>&nbsp;von 1871 wurden diese Personen fester in die l&auml;ndliche Hierarchie eingebettet und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr&auml;nkt. Mit dem&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;hatte der Distriktmagistrat jedoch auch die M&ouml;glichkeit, zu erkl&auml;ren, dass eine &sbquo;r&auml;uberische&lsquo; Bande fremd in der Provinz war, dass sie aus einem &sbquo;chaotischen&lsquo; indischen F&uuml;rstenstaat oder aus einem unklar definierten Teil des Grenzgebiets stammte.&nbsp;</p>



<p>Bei der Ausweisung &sbquo;ausl&auml;ndischer asiatischer Vagabunden&lsquo; aus dem britischen Hoheitsgebiet erwarteten die britischen Beh&ouml;rden weder von den F&uuml;rstenstaaten noch von autonomen &sbquo;asiatischen&lsquo; Staaten wie Afghanistan und Persien gro&szlig;en Widerstand. Tats&auml;chlich jedoch begann Persien in den 1920er Jahren dagegen zu protestieren, dass jede Gemeinschaft, die als kriminell oder vagabundierend galt, als &sbquo;iranisch&lsquo; bezeichnet wurde. Das Au&szlig;enministerium bef&uuml;rchtete au&szlig;erdem, dass die Abschiebung von Paschtunen als &sbquo;ausl&auml;ndische Vagabunden&lsquo; aus gro&szlig;en indischen Handelszentren wie Delhi, Kalkutta oder Mumbai die Anspr&uuml;che Afghanistans auf die paschtunischen Stammesgebiete in der nordwestlichen Grenzprovinz Indiens st&auml;rken w&uuml;rde. Wir sehen uns also mit faszinierenden Situationen konfrontiert, in denen die allt&auml;gliche polizeiliche Kontrolle der &sbquo;Vagabundiererei&lsquo; Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen hat.</p>



<blockquote>
<p>&bdquo;Der&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;beruhte auf einer hierarchischen Ordnung der Hoheitsrechte&ldquo;</p>
</blockquote>



<p><strong>Der&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;schuf also rechtliche Unterschiede &ndash; nicht nur zwischen Einzelpersonen, sondern auch zwischen Staaten?</strong></p>



<p>Obwohl der&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;universell formuliert war, beruhte er auf einer hierarchischen Ordnung der Hoheitsrechte: zwischen zivilisierten Staaten und &sbquo;r&uuml;ckst&auml;ndigen asiatischen&lsquo; Staaten sowie zwischen Gro&szlig;britannien als &uuml;bergeordneter Macht und den indischen F&uuml;rstenstaaten. Ich habe bereits darauf hingewiesen, wie Beamte nachweisen konnten, dass die Gebiete unter direkter britischer Herrschaft vor den Unruhen gesch&uuml;tzt wurden, die durch widerspenstige Einwanderer aus den F&uuml;rstenstaaten oder aus grenznahen Gebieten verursacht wurden. Man ging auch davon aus, dass die in den Grenzprovinzen stationierten Offiziere besser in der Lage waren, die grenz&uuml;berschreitenden Arbeitsmigranten, Viehz&uuml;chter, Saumh&auml;ndler und dienstverpflichteten Soldaten zu kontrollieren, weil sie mit st&auml;rkeren Exekutivbefugnissen ausgestattet waren als die Beamten im Landesinneren. Unter diesem Regime der &sbquo;Grenzgouvernementalit&auml;t&lsquo; konnten solche Formen des Lebensunterhalts in der Tat f&uuml;r das Imperium nutzbar gemacht werden. </p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Foreigners-Act.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Foreigners-Act.jpg 612w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Foreigners-Act-232x300.jpg 232w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Foreigners-Act.jpg 612w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Foreigners-Act-232x300.jpg 232w" sizes="(max-width: 612px) 100vw, 612px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Der Foreigners Act von 1864 steht im Zentrum der aktuellen Forschungen von Radhika Singha. <br>&copy; Asian Legal Information Institute (http://www.asianlii.org/mm/legis/code/fa1864127/)</figcaption></figure>



<p>Ab der Wende des 19. Jahrhunderts, als das Tempo der weltweiten Migration zunahm, wurde die Ausweisungsbefugnis im Rahmen des Gesetzes auch zur Abschiebung sogenannter osteurop&auml;ischer &sbquo;Zuh&auml;lter&lsquo; genutzt. Damit positionierte sich Indien in der internationalen Kampagne gegen die &sbquo;wei&szlig;e Sklaverei&lsquo;. Die Androhung der Abschiebung wurde auch genutzt, um die Zirkulation von Aktivisten und Intellektuellen zu kontrollieren, die mit radikalen politischen Bewegungen oder mit Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen in Verbindung standen. In den 1920er Jahren, als die nationalistische Bewegung an Kraft gewann, begannen die F&uuml;rstenstaaten mit Zustimmung des Kolonialregimes, den&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;anzuwenden, um politische Aktivisten, die aus dem britischen Staatsgebiet kamen, auszuweisen.</p>



<p><strong>Sie argumentieren, dass durch das Gesetz eine Verbindung zwischen den Kategorien &sbquo;ausl&auml;ndisch&lsquo; und &sbquo;abschiebbar&lsquo; hergestellt wurde. Was genau meinen Sie damit?</strong></p>



<p>Als Ergebnis meiner einj&auml;hrigen Arbeit am Kolleg bin ich nun in der Lage, diese Aussage zu pr&auml;zisieren. Historische Arbeiten &uuml;ber Formen der erzwungenen Abschiebung haben gezeigt, dass sich die Bedeutung und der Zweck von Verbannung, Exil, Deportation, Auslieferung, Transport und Repatriierung im Laufe der Zeit &uuml;berschneiden und ver&auml;ndern. Wir m&uuml;ssen historisch nachverfolgen, ab wann Deportation den Ausschluss aus dem &sbquo;nationalen&lsquo; Territorium bedeutete und als eine Form der Zwangsabschiebung unterschieden wurde, die Ausl&auml;ndern, Migranten ohne Papiere oder Einwohnern, denen die Staatsb&uuml;rgerschaft entzogen wurde, vorbehalten war.</p>



<p>Meine Arbeit befasst sich mit der Zeit im neunzehnten Jahrhundert, bevor das Wort &sbquo;Ausl&auml;nder&lsquo; in Indien wirklich aufkam. Der Begriff &sbquo;Ausl&auml;nder&lsquo; war eine Kategorie der kolonialen Gouvernementalit&auml;t, die die Entscheidungen &uuml;ber die juristische Trennlinie zwischen dem britischen Territorium, dem der F&uuml;rstenstaaten und dem der autonomen Staaten an der Grenze Indiens in einer Vielzahl von Fragen pr&auml;gte. Wie bereits erw&auml;hnt, waren die Untertanen der F&uuml;rstenstaaten in einigen Kontexten Ausl&auml;nder und in anderen britische Untertanen. Das Wort &sbquo;ausl&auml;ndisch&lsquo; im Sinne einer Person, die aus einer politisch nationalisierten Gemeinschaft ausgeschlossen wurde, tauchte in Indien seit der Jahrhundertwende immer h&auml;ufiger auf. Diese Entwicklung wurde durch die rassisch begr&uuml;ndete Nationalisierung der Grenzen in den Kolonien vorangetrieben, die der Vorherrschaft der wei&szlig;en Siedler vorbehalten waren, d. h. in S&uuml;dafrika, Kanada und Australien. Indische Staatsb&uuml;rger mussten die Erfahrung machen, aus diesen Kolonien deportiert zu werden, obwohl sie britische Untertanen waren. In Verbindung mit der Einf&uuml;hrung der Passpflicht f&uuml;r Indien w&auml;hrend des Ersten Weltkriegs bedeutete dies, dass der&nbsp;<em>Foreigners Act</em>&nbsp;in einem anderen politischen und rechtlichen Umfeld angewendet wurde. Diesen Wandel m&ouml;chte ich in der n&auml;chsten Phase meiner Arbeit untersuchen.</p>



<p>Interview von Lennart Pieper.</p>



<hr>



<p><strong>Zitieren als:</strong><br>Radhika&nbsp;Singha/Lennart Pieper: &bdquo;Die Grenze zwischen Ausl&auml;nder und Untertan war flie&szlig;end&ldquo; Interview, EViR Blog, 21.05.2026, https://www.evir.uni-muenster.blog/interviewsingha/.</p>



<p><strong>Lizenz:</strong><br>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



<hr>



<p></p>]]></content>
	<updated>2026-05-21T12:44:07+00:00</updated>
	<author><name>Marla Kaminsky</name></author>
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		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<author><name>Lisa J. Hardy</name></author>
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	<author><name>Hucen Sleiman</name></author>
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<p><a href="https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bverfg-zweitveroeffentlichungspflicht-gesetzgebungskompetenz-bund" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bverfg-zweitveroeffentlichungspflicht-gesetzgebungskompetenz-bund</a></p>
<p>4.5.2026 <a href="https://verfassungsblog.de/zweitveroffentlichungspflicht-bverfg-open-access/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://verfassungsblog.de/zweitveroffentlichungspflicht-bverfg-open-access/</a></p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Mithilfe von KI generierte Bilder können dann urheberrechtlich geschützt sein, wenn die Erstellung durch einen menschlichen schöpferischen Einfluss geprägt ist</title>
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<figure aria-describedby="caption-attachment-256668"><a href="https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1.png" rel="noopener noreferrer" target="_blank"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1.png" alt="" srcset="https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1.png 600w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1-300x198.png 300w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1-500x330.png 500w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1.png 600w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1-300x198.png 300w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/05/KI_20_W_2_26_Urteil_20260402_1-500x330.png 500w" sizes="(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></a><figcaption>KI-Bild</figcaption></figure>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">Care, Commons and Thinking Together: An Allegra Approach to Book Reviews</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Of the many experiences shared by early career academics, feeling perpetually behind undoubtedly cou...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>Of the many experiences shared by early career academics, feeling perpetually behind undoubtedly counts among them. Casual conversations with colleagues [&hellip;]</p>
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	<updated>2026-04-30T13:11:50+00:00</updated>
	<author><name>Elise Hjalmarson</name></author>
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	<title type="html">Call for Reviewers: Solidarities, Hope and Care</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>In our most recent book review series, Allegra contributors thought together with authors researchin...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>In our most recent book review series, Allegra contributors thought together with authors researching Settler Colonialism, Borders and Empire. Fourteen [&hellip;]</p>
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	<author><name>Allegra Lab</name></author>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>Open Access: <a href="https://campus.de/das-wissen-vom-erben-und-vererben/CAM45951" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://campus.de/das-wissen-vom-erben-und-vererben/CAM45951</a> (2026)</p>
<p>Enth&auml;lt auch einen Abschnitt &uuml;ber <a href="https://archivalia.hypotheses.org/?s=fideikommi" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fideikommisse</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">Der Code civil: Die Kunst der Einheit und des Wandels</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Im Jahr 1804 stellte Kaiser Napoleon Bonaparte seine wohl gr&ouml;&szlig;te Errungenschaft vor: den&nbsp;Code ...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>Im Jahr 1804 stellte Kaiser Napoleon Bonaparte seine wohl gr&ouml;&szlig;te Errungenschaft vor: den&nbsp;<em>Code civil des Fran&ccedil;ais&nbsp;</em>&ndash; das franz&ouml;sische Zivilgesetzbuch. Dieses Dokument, das 2.281 Artikel umfasste, machte endlich Schluss mit dem un&uuml;berschaubaren Sammelsurium an Regeln, Vorschriften und Verordnungen, das Frankreich zuvor beherrscht hatte. Das neue Zivilgesetzbuch, das sich stark an das r&ouml;mische Recht anlehnte und von den Pariser&nbsp;<em>Coutumes&nbsp;</em>beeinflusst war, brachte Einheit und Ordnung, wo zuvor ein rechtliches Chaos geherrscht hatte. Das Gesetzbuch umfasste ein enormes Spektrum an Rechtsgesch&auml;ften &ndash; Personenrecht, Familienrecht, Eigentumsrecht und Vertragsgestaltung. Bis heute bildet dieses Werk&nbsp;die rechtliche Grundlage Frankreichs, aber auch Belgiens,&nbsp;Italiens,&nbsp;der Niederlande, Portugals, Spaniens und aller ehemaligen Kolonialgebiete, um nur einige zu nennen.&nbsp;</p>



<p>Als das Gesetzbuch 1804 verk&uuml;ndet wurde, befand sich Napoleon auf dem H&ouml;hepunkt seiner Macht und kr&ouml;nte sich zum Kaiser &uuml;ber ein franz&ouml;sisches Reich, das sich &uuml;ber einen Gro&szlig;teil Europas erstreckte. Die Bilder, die die Einf&uuml;hrung des neuen Zivilgesetzbuchs begleiteten, spiegeln diese feudale Vision wider.&nbsp;</p>



<figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-770x1024.jpeg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-770x1024.jpeg 770w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-226x300.jpeg 226w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-768x1021.jpeg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1.jpeg 1023w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-770x1024.jpeg 770w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-226x300.jpeg 226w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1-768x1021.jpeg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/1-Code_Napoleon_Sa_Majeste_lEmpereur_.David_Francois-Anne_btv1b6940753h_1.jpeg 1023w" sizes="(max-width: 770px) 100vw, 770px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Fran&ccedil;ois-Anne David: Code Napol&eacute;on. Sa Majest&eacute; l&rsquo;Empereur et Roi montre &agrave; l&rsquo;Imp&eacute;ratrice-Reine les articles du Code civil, qu&rsquo;il vient de terminer.</figcaption></figure>



<p>Ein Stich, der zur Feier der Ver&ouml;ffentlichung des&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;angefertigt wurde, zeigt Kaiser Napoleon, wie er seiner Frau, der Kaiserin Jos&eacute;phine, das neue Gesetzbuch vorlegt. Im Hintergrund dieser Darstellung des Paares stehen Statuen der gro&szlig;en vorangegangenen franz&ouml;sischen K&ouml;nige, der r&ouml;mischen G&ouml;ttin des &Uuml;berflusses und ein Stapel von Schriftrollen, auf denen Friedens- und Konkordanzvertr&auml;ge &ouml;ffentlich bekanntgeben werden. Die Figuren r&auml;keln sich in wahrlich k&ouml;niglicher Pracht; sie tragen einen eigenartigen Stilmix, der so wahrscheinlich nie getragen wurde, denn ihre Gew&auml;nder vermischen fr&uuml;here Renaissance-Schnittf&uuml;hrungen mit damals modernen neoklassischen Linien. Das Bild verk&uuml;ndet Napoleon als gro&szlig;en Monarchen in der Tradition seiner Vorfahren, als engagierten Gesetzgeber und Vater der Nation. In dieser Rolle wird er gezeigt, wie er seine Frau in die neuen, im Gesetzbuch verankerten Familiengesetze einweist, insbesondere diejenigen, die sich auf die Adoption beziehen, wie auf der aufgeschlagenen Seite zu sehen ist. Dies kann auf einer makropolitischen Ebene als die Aufnahme vieler anderer Nationen in das Reich verstanden werden oder aber als subtilen Seitenhieb auf Kaiserin Jos&eacute;phine, die noch keinen Erben geboren hatte. In jedem Fall wird der&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;hier als H&ouml;hepunkt der jahrhundertelangen franz&ouml;sischen Geschichte dargestellt, der Frieden und Einheit als gro&szlig;herziges Geschenk des Kaisers an seine Untertanen bringt.</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-1024x827.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-1024x827.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-300x242.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-768x620.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-1536x1240.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-2048x1654.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-1024x827.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-300x242.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-768x620.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-1536x1240.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/2-Napoleon_mauzaisse-1833-2048x1654.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Jean-Baptiste Mauzaisse: Napol&eacute;on l&rsquo;er couronn&eacute; par le Temps, &eacute;crit le Code Civil.</figcaption></figure>



<p>Nach dem Tod Napoleons wurde der&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;weiterhin als eine der gr&ouml;&szlig;ten Errungenschaften seiner Herrschaft hochgehalten. So malte der Staatsk&uuml;nstler Jean-Baptiste Mauzaisse 1833 ein bemerkenswertes Portr&auml;t mit dem Titel&nbsp;<em>Napol&eacute;on I&rsquo;er couronn&eacute; par le Temps&nbsp;</em>&ndash; Napoleon I. gekr&ouml;nt von der Allegorie der Zeit. Auf dem Gem&auml;lde sitzt der Kaiser selbstbewusst auf einem Stapel kaiserlicher Symbole und blickt streng auf sein Publikum. Napoleon schreibt eigenh&auml;ndig den&nbsp;<em>Code civil</em>, w&auml;hrend sich Chronos &uuml;ber ihm erhebt, um ihn f&uuml;r seine Bem&uuml;hungen mit&nbsp;Lorbeeren zu kr&ouml;nen. Zum Zeitpunkt der Ausstellung des Gem&auml;ldes lagen die Absetzung und der Tod Napoleons bereits zw&ouml;lf Jahre zur&uuml;ck, und die Julimonarchie regierte Frankreich mit K&ouml;nig Louis-Philippe I. an der Spitze &ndash; allerdings nicht ohne Widerstand. Nur wenige Monate vor der Enth&uuml;llung des Gem&auml;ldes im&nbsp;<em>Salon de Paris&nbsp;</em>hatte ein Aufstand in der Hauptstadt, der sp&auml;ter von Victor Hugo in&nbsp;<em>Die Elenden</em>&nbsp;<em>(Les Mis&eacute;rables)&nbsp;</em>verewigt wurde, das Regime ersch&uuml;ttert. Das Gem&auml;lde von Mauzaisse, das an die Kraft und die Ordnung des Zivilgesetzbuchs erinnerte, sollte die aufgew&uuml;hlte Bev&ouml;lkerung an den Ruhm der Vergangenheit und den zeitlosen Sieg des Gesetzes &uuml;ber das Chaos erinnern.</p>



<p>Diese beiden offiziellen Darstellungen des&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;trugen eine wirkm&auml;chtige Symbolik in sich, die auf die nunmehr einheitliche Gr&ouml;&szlig;e, die Geschichte und das Gewicht der neuen Rechtsnorm hinweisen sollte. Dennoch waren nicht alle mit dem Gesetzbuch in seiner jetzigen Form zufrieden, insbesondere nicht mit dem Teil, der sich mit dem Familienrecht befasste. Die Rechte und Pflichten der Ehe in den Artikeln 212, 213 und 214 standen unter heftiger Kritik. W&auml;hrend Artikel 8 des Gesetzbuchs versprach, dass &bdquo;<em>Tout Fran&ccedil;ais jouira des droits civils</em>&ldquo; &ndash; alle Franzosen b&uuml;rgerliche Rechte genie&szlig;en &ndash; wurde in sp&auml;teren Artikeln verheirateten Frauen die volle Rechtspers&ouml;nlichkeit abgesprochen und sie wurden der Autorit&auml;t ihrer Ehem&auml;nner unterworfen. Ehefrauen durften ohne die Zustimmung ihres Ehemannes keine Vertr&auml;ge abschlie&szlig;en, kein Eigentum verwalten und keiner Arbeit nachgehen. Schon damals wurden diese Beschr&auml;nkungen von vielen als archaisch und drakonisch empfunden. So entstanden selbst in den 1830er und 1840er Jahren, als die Nostalgie nach den alten glorreichen Zeiten des franz&ouml;sischen Kaiserreichs die Popularit&auml;t des Bonapartismus steigerte, zahlreiche satirische Karikaturen, die sich &uuml;ber diese Artikel des Gesetzbuchs lustig machten. Die Bilder verspotteten die erwarteten Verhaltensweisen und spiegelten zugleich die gelebte Realit&auml;t wider.</p>



<p><strong>Artikel 212</strong>: &bdquo;<em>Les &eacute;poux se doivent mutuellement fid&eacute;lit&eacute;, secours, assistance</em>.&ldquo; &ndash; Die Eheleute schulden sich gegenseitig Treue, Hilfe und Beistand.&nbsp;</p>



<p><strong>Artikel 213</strong>: &bdquo;<em>Le mari doit protection &agrave; sa femme, la femme ob&eacute;issance &agrave; son mari</em>.&ldquo; &ndash; Der Ehemann schuldet seiner Ehefrau Schutz, die Ehefrau ihrem Ehemann Gehorsam.</p>



<p><strong>Artikel 214:&nbsp;</strong>&bdquo;<em>La femme est oblig&eacute;e d&rsquo;habiter avec le mari, et de le suivre par-tout o&ugrave; il juge &agrave; propos de r&eacute;sider&nbsp;: le mari est oblig&eacute; de la recevoir, et de lui fournir tout ce qui est n&eacute;cessaire pour les besoins de la vie, selon ses facult&eacute;s et son &eacute;tat.&ldquo;</em>&nbsp;&ndash; Die Ehefrau ist verpflichtet, mit dem Ehemann zusammenzuleben und ihm dorthin zu folgen, wo er es f&uuml;r richtig h&auml;lt, zu wohnen; der Ehemann ist verpflichtet, sie aufzunehmen und mit allem zu versorgen, was zum Leben notwendig ist, entsprechend seinen F&auml;higkeiten und seinen M&ouml;glichkeiten.</p>



<figure>
<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-792x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-792x1024.jpg 792w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-232x300.jpg 232w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-768x993.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-1188x1536.jpg 1188w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-1584x2048.jpg 1584w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-scaled.jpg 1980w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-792x1024.jpg 792w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-232x300.jpg 232w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-768x993.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-1188x1536.jpg 1188w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-1584x2048.jpg 1584w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/3-image_gavarni_hippolyte_sulpice_guillaume_chevalier_dit_article_212_du_g.8161_423132-scaled.jpg 1980w" sizes="(max-width: 792px) 100vw, 792px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Article 212 &ldquo;Les epoux se doivent mutuellement fid&eacute;lit&eacute;, secours, assistance.&rdquo;&nbsp;</figcaption></figure>



<figure><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-841x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-841x1024.jpg 841w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-246x300.jpg 246w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-768x935.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-1262x1536.jpg 1262w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-1682x2048.jpg 1682w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-841x1024.jpg 841w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-246x300.jpg 246w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-768x935.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-1262x1536.jpg 1262w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/4-image_monnier_henry_bonaventure_code_civil_illu_g.1004_501572-1682x2048.jpg 1682w" sizes="auto, (max-width: 841px) 100vw, 841px" referrerpolicy="no-referrer"><figcaption>Article 213 &ldquo;La femme doit ob&eacute;issance &agrave; son mari.&rdquo;</figcaption></figure>
</figure>



<p>Trotz der Bedenken, die sich in den Kunstwerken widerspiegeln, blieben die franz&ouml;sischen Ehegesetze unver&auml;ndert. Als sich 1904 das Bestehen des&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;zum hundertsten Mal j&auml;hrte, wollte der Staat diese herausragende Errungenschaft erneut in der Kunst feiern. Dieses Mal ist es kein Portr&auml;t von Napoleon als Gesetzgeber, sondern ein&nbsp;<em>Genius&nbsp;</em>der Dritten Franz&ouml;sischen Republik, das als Herold f&uuml;r Einheit, Ordnung und Gerechtigkeit auftritt. Durch die Verherrlichung der abstrakten Republik wurde der&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;von der napoleonischen Dynastie und ihren kaiserlichen Ambitionen losgel&ouml;st. Man behielt die guten Gesetze bei, lehnte aber ihren geistigen Vater ab. Der Wandel in der Bildsprache vom m&auml;nnlichen Kaiser zur weiblichen Republik zeugt zudem von einer gewissen Ironie, da auf anderen Darstellungen aus demselben Jahr Frauen zu sehen waren, die das Gesetzbuch freudig verbrannten.&nbsp;</p>



<p>Die feministische Kritik am&nbsp;<em>Code civil</em>&nbsp;sollte sich im Laufe des Jahrhunderts fortsetzen: Die&nbsp;<em>Ligue d&rsquo;action feminine&nbsp;</em>forderte seine &Uuml;berarbeitung und die sofortige Gew&auml;hrung des Wahlrechts, wie hier auf einem Plakat von 1926 zu sehen. In dieser Darstellung taucht Napoleon erneut als Gesetzgeber auf, doch statt als vision&auml;rer Held der Einheit und Ordnung wird er als seniler, altersschwacher Greis dargestellt, der aus der Zeit gefallen und fehl am Platz scheint.&nbsp;</p>



<figure><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-775x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-775x1024.jpg 775w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-227x300.jpg 227w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-768x1015.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-1162x1536.jpg 1162w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-1549x2048.jpg 1549w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-scaled.jpg 1936w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-775x1024.jpg 775w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-227x300.jpg 227w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-768x1015.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-1162x1536.jpg 1162w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-1549x2048.jpg 1549w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/5-NEU-BHVP_1-AFF-000545-scaled.jpg 1936w" sizes="auto, (max-width: 775px) 100vw, 775px" referrerpolicy="no-referrer"><figcaption>Ligue d&rsquo;action f&eacute;minine pour l&rsquo;obtention imm&eacute;diate du suffrage.</figcaption></figure>



<p>Es dauerte bis 1938, bis es den feministischen Kr&auml;ften gelang, eine &Auml;nderung der Eheartikel des Gesetzes zu erwirken, und selbst danach ging es nur langsam voran. Franz&ouml;sische Frauen erhielten erst 1944 das Wahlrecht, und erst 1965 wurde es verheirateten Frauen gesetzlich gestattet, ohne Zustimmung ihres Mannes einen Beruf auszu&uuml;ben. Im Jahr 1985 erhielten sie eine gleichberechtigte Stellung bei der Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums. Die 1804 versprochene Einheit und Ordnung des Rechts wurde also im Laufe der folgenden zweihundert Jahre in Frage gestellt, denn die Ehegesetze, die nicht mehr den b&uuml;rgerlichen Gepflogenheiten entsprachen, mussten angepasst werden. Mit der Zeit und dem jeweiligen Temperament der Epoche wandeln sich auch die Darstellungen des Gesetzbuchs, und die Suche nach einem einheitlichen, f&uuml;r alle gleicherma&szlig;en geltenden Recht geht weiter.&nbsp;</p>



<hr>



<p><strong>Bibliographie:</strong></p>



<p>Code civil des Fran&ccedil;ais, Paris 1804.</p>



<p>Ute Gerhard: Civil Law, a Tool of Masculine Domination?, in:&nbsp;Encyclop&eacute;die d&rsquo;histoire num&eacute;rique de l&rsquo;Europe, online: https://ehne.fr/en/node/12265 (21.09.2023).</p>



<p>Andr&eacute; Tunc: Husband and wife under French law: Past, present, future, in:&nbsp;University of Pennsylvania Law Review 104(1955), 1064-1079.</p>



<hr>



<div><figure><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-1024x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Leslie_Carr-Riegel-1.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer"></figure><div>
<p>Dr. Leslie Carr-Riegel war 2022/2023 Fellow am K&auml;te Hamburger Kolleg. Die Historikerin forscht zum Prisenrecht als Mittel der Schuldenabsicherung im sp&auml;tmittelalterlichen Fernhandel.</p>
</div></div>



<hr>



<p><strong>Zitieren als: </strong></p>



<p>Carr-Riegel, Leslie, Der Code civil: Die Kunst der Einheit und des Wandels, EViR Blog, 28.04.2026, <a href="https://www.evir.uni-muenster.blog/der-code-civil/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">https://www.evir.uni-muenster.blog/der-code-civil</a>.</p>



<p><strong>Lizenz:</strong></p>



<p>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



<p></p>]]></content>
	<updated>2026-04-28T06:20:26+00:00</updated>
	<author><name>Marla Kaminsky</name></author>
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		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode, the conversation turns to the structural conditions that make the backway feel like the only viable option [&hellip;]</p>
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	<author><name>Viola Castellano</name></author>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>What is at stake in engaging outer space ethnographically when colonial histories and power structures continue to shape its exploration and imagination? </p>
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	<author><name>Hanna Nieber</name></author>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode of Displacing Universities Ian speaks with Elisabeth Boston. Elisabeth is the Refugee policy officer at UCLouvain in Belgium. They speak about Access2University (A2U), a programme that aims to prepare refugees (applicants) with little or no knowledge of French to resume university studies, and Education Pathways, which is an initiative to bring displaced people to Belgium to study.</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/access2university-and-education-pathways-at-uclouvain-with-elisabeth-boston/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Access2University and Education Pathways at UCLouvain with Elisabeth BOSTON</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Ian M. Cook</name></author>
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	<title type="html">Erhebliche Kürzung in Presseartikel ohne Zustimmung: Urheberrechtsverletzung</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>&bdquo;Vor Gericht konnte sich R&uuml;gemer [&hellip;] mit seiner Rechtsansicht durchsetzen, dass es dem Berliner Verlag untersagt war, den Artikel ohne die gestrichenen Passagen &ouml;ffentlich zug&auml;nglich zu machen (Landgericht K&ouml;ln, Az. 14 O 144/23; rechtskr&auml;ftig).&ldquo;</p>
<p>Jochen Zenth&ouml;fer <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/freier-autor-siegt-vor-gericht-gegen-berliner-zeitung-200754105.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/freier-autor-siegt-vor-gericht-gegen-berliner-zeitung-200754105.html</a> (Paywall)</p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Verwaltungsgericht Kassel zur Nutzung von KI</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>&bdquo;Hochschulen d&uuml;rfen Regelungen zur Nutzung generativer KI treffen. Ist die Nutzung eines Tools zugelassen, gilt der Ma&szlig;stab f&uuml;r klassische Plagiate. So ist die rein versehentliche, also fahrl&auml;ssige einmalige Nichtkennzeichnung von KI denklogisch m&ouml;glich. Grunds&auml;tzlich m&uuml;ssen alle Quellen angegeben werden, egal ob Prim&auml;rquelle, Sekund&auml;rquelle oder Terti&auml;rquelle; egal ob die Quelle aus Aufsatz, Buch oder KI-Tool stammt. Zu kl&auml;ren ist f&uuml;r einen Studenten folglich zweierlei: Ist die Nutzung eines Tools ausdr&uuml;cklich erlaubt? Falls das bejaht wird, muss man die Nutzung offenlegen und dokumentieren. Ist ein Tool nicht ausdr&uuml;cklich erlaubt oder wird die Nutzung eines erlaubten Tools verschleiert, droht ein Nichtbestehen ohne M&ouml;glichkeit der Wiederholung. So war es in Kassel. So w&uuml;rden es Gerichte auch anderswo in Deutschland entscheiden.&ldquo;</p>
<p>So Jochen Zenth&ouml;fer, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.04.2026, S. 6.</p>]]></content>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">U.S. Supreme Court Records and Briefs Online</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://blog.archive.org/2026/04/20/u-s-supreme-court-records-and-briefs-the-arguments-that-shaped-america-now-freely-available/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://blog.archive.org/2026/04/20/u-s-supreme-court-records-and-briefs-the-arguments-that-shaped-america-now-freely-available/</a></p>]]></content>
	<updated>2026-04-24T01:23:07+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">Everywhere is a Border, Everywhere a Wall</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>On Stratified Topologies of Urban Passing 1 April 2024, London. Written while shifting from one transient stay to another, sixteen [&hellip;]</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/everywhere-is-a-border-everywhere-a-wall/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Everywhere is a Border, Everywhere a Wall</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Orlan Syshui</name></author>
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	<title type="html">Patrimonialisation des droits d’usage : réflexion sur l’interaction entre pluralisme culturel et pluralisme juridique (Atelier OSMOSE, 19 mai 2026)</title>
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	<content type="html"><![CDATA[]]></content>
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	<author><name>clarahochereau</name></author>
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		<title>Droit, patrimoine et culture</title></source>

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	<title type="html">Weltweit haben Gerichte mit Schriftsätzen zu kämpfen, die KI-Halluzinationen enthalten</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.heise.de/news/KI-Halluzinationen-vor-Gericht-11257460.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.heise.de/news/KI-Halluzinationen-vor-Gericht-11257460.html</a></p>
<p><a href="https://www.damiencharlotin.com/hallucinations/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.damiencharlotin.com/hallucinations/</a></p>]]></content>
	<updated>2026-04-15T14:23:42+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Seit 27 Jahren streiten die Band Kraftwerk und der Produzent Moses Pelham um sogenanntes Sampling vor Gericht</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Nun hat der EuGH ein Urteil zum Pastiche gef&auml;llt: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/eug...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>Nun hat der EuGH ein Urteil zum Pastiche gef&auml;llt: <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/eugh-urteil-sampling-100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/eugh-urteil-sampling-100.html</a></p>
<p>18.4.2026 <a href="https://netzpolitik.org/2026/sampling-vor-dem-eugh-was-ist-eigentlich-pastiche/?via=nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://netzpolitik.org/2026/sampling-vor-dem-eugh-was-ist-eigentlich-pastiche/?via=nl</a></p>]]></content>
	<updated>2026-04-15T14:20:27+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Return</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>In this episode, YAIM members describe how they kept their sanity inside Tariq al Sikka through musi...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode, YAIM members describe how they kept their sanity inside Tariq al Sikka through music, shared prayers, and [&hellip;]</p>
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	<author><name>Viola Castellano</name></author>
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	<title type="html">Rooms That Refuse to Remember Us. On the hidden labor of hospitality</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>Drawing on autoethnographic experience as a hotel cleaner in Amsterdam, this essay examines how the hospitality industry renders its workers structurally invisible.</p>
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	<updated>2026-04-13T09:35:54+00:00</updated>
	<author><name>Andrea Kis</name></author>
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	<title type="html">“There is Nothing to See”: Silence and the Atmosphere of War</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>This essay examines the social life of silence in the Lake Chad Basin after years of insurgent viole...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>This essay examines the social life of silence in the Lake Chad Basin after years of insurgent violence. </p>
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	<updated>2026-04-13T09:15:54+00:00</updated>
	<author><name>Daniel E. Agbiboa</name></author>
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	<title type="html">Detention</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode, YAIM members recount their experience of detention in Tariq al Sikka, one of Libya&rsquo;s official detention centers, [&hellip;]</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/detention/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Detention</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Viola Castellano</name></author>
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	<title type="html">EuGH bejaht urheberrechtliche Schutzfähigkeit einer kritischen Ausgabe eines bereits bestehenden Werks</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.urheberrecht.org/news/7903/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.urheberrecht.org/news/7903/</a></p>]]></content>
	<updated>2026-03-28T02:59:48+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Permaculture Pedagogies and the Art of Living Together: Timor-Leste’s Aspirational School Curriculum</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In Timor-Leste, children now learn to grow vegetables, conserve water, and design permaculture gardens as part of the national school curriculum. </p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/permaculture-pedagogies-and-the-art-of-living-together-timor-lestes-aspirational-school-curriculum/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Permaculture Pedagogies and the Art of Living Together: Timor-Leste&rsquo;s Aspirational School Curriculum</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
	<updated>2026-03-20T14:33:01+00:00</updated>
	<author><name>Thomas Stodulka</name></author>
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	<title type="html">Vom Eigentum zur Person</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Der Rechtskampf einer Roma-Frau um ihre Freiheit



Die Vorf&uuml;hrung des Films Aferim! am K&auml;te Hambur...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><strong>Der Rechtskampf einer Roma-Frau um ihre Freiheit</strong></p>



<p>Die Vorf&uuml;hrung des Films <em>Aferim!</em> am K&auml;te Hamburger Kolleg bot eine wertvolle Gelegenheit, &uuml;ber die Geschichte der Roma und ihren Rechtsstatus im 19. Jahrhundert nachzudenken. Die Reaktion meiner Kolleginnen und Kollegen auf den Film unterschied sich deutlich von der Rezeption in der rum&auml;nischen Gesellschaft. Stille. Entsetzte Blicke. Die Vergangenheit erscheint manchmal so fern &ndash; fast unbekannt.</p>



<p>Warum m&ouml;chte ich &uuml;ber <em>Aferim! </em>sprechen?</p>



<p>Als Regisseur Radu Jude mit der Arbeit am Drehbuch begann, hatte er zwei meiner B&uuml;cher &uuml;ber M&auml;nner und Frauen vor Gerichten im 18. Jahrhundert gelesen. Deshalb bat er mich um Unterst&uuml;tzung beim Verfassen einer Geschichte, die historisch glaubw&uuml;rdig sein und gesellschaftliche Debatten anregen sollte.</p>



<figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-717x1024.jpg" alt='A stylized graphic movie poster for the film "AFERIM!". The lower half of the image features a black silhouette of a landscape with mountains and a large, setting red sun. Against this backdrop, two men on horseback ride to the right; the trailing rider is leading a captive man walking on foot via a rope. In the right background, two tall, cross-like structures stand out. The sky above transitions from orange to a deep teal blue. In the blue section, the title "AFERIM!" is written in massive, distressed red letters. Above the title is the 65th Berlinale "Competition" logo, and below it reads "directed by Radu Jude". | Grafisches Filmplakat f&uuml;r den Film &bdquo;AFERIM!&ldquo;. Die untere Bildh&auml;lfte zeigt als schwarze Silhouette eine Landschaft mit Bergen und einer gro&szlig;en untergehenden roten Sonne. Vor diesem Hintergrund reiten zwei M&auml;nner auf Pferden nach rechts; der hintere Reiter f&uuml;hrt an einem Seil einen gefangenen Mann zu Fu&szlig; hinter sich her. Im Hintergrund rechts ragen zwei hohe, kreuzf&ouml;rmige Gebilde auf. Der Himmel dar&uuml;ber geht von Orange in ein kr&auml;ftiges Blau &uuml;ber. Im blauen Bereich steht in sehr gro&szlig;en, rissigen roten Buchstaben der Filmtitel &bdquo;AFERIM!&ldquo;. Dar&uuml;ber befindet sich das Logo der 65. Berlinale (Competition), unter dem Titel steht &bdquo;directed by Radu Jude&ldquo;.' srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-717x1024.jpg 717w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-210x300.jpg 210w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-768x1097.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-1075x1536.jpg 1075w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-1434x2048.jpg 1434w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-scaled.jpg 1792w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-717x1024.jpg 717w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-210x300.jpg 210w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-768x1097.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-1075x1536.jpg 1075w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-1434x2048.jpg 1434w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/AFERIM_International_poster_170215-1-scaled.jpg 1792w" sizes="(max-width: 717px) 100vw, 717px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Internationales Filmplakat f&uuml;r &bdquo;Aferim&ldquo;, einen Film unter der Regie von Radu Jude. Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Beta Cinema und dem Produzenten.</figcaption></figure>



<p>Der Film erz&auml;hlt die Geschichte eines Gerichtsvollziehers, der sich in Begleitung seines Sohnes auf die Suche nach einem entlaufenen Sklaven macht. Dieser war aus Angst vor Hinrichtung von seinem Herrn geflohen, nachdem er eine Aff&auml;re mit dessen Frau hatte. Die Reise des Vater-Sohn-Gespanns durch die Walachei im Jahr 1835 verkn&uuml;pft verschiedene Elemente, die auf zeitgen&ouml;ssische Probleme aufmerksam machen sollen, die in der rum&auml;nischen Gesellschaft noch immer unzureichend diskutiert werden: die Versklavung der Roma, Antisemitismus, Rassismus und Gewalt gegen&uuml;ber Frauen. Auch wenn das Jahr 1835 willk&uuml;rlich gew&auml;hlt erscheinen mag, spiegelt es doch den &Uuml;bergang der rum&auml;nischen Gesellschaft zur Moderne wider, verk&ouml;rpert im Vater-Sohn-Duo: der Vater, ein Gerichtsvollzieher und somit ein Vertreter des alten Regimes, und der junge Sohn, ein Soldat in der Uniform der neu aufgestellten Armee.</p>



<p>Meine Aufgabe war es, den Regisseur (der auch Mitautor des Drehbuchs war) dabei zu unterst&uuml;tzen, dem Film durch sorgf&auml;ltige Beachtung der Handlung, des Vokabulars, der Kost&uuml;me, der Landschaft und der Erz&auml;hlstruktur historische Glaubw&uuml;rdigkeit zu verleihen.</p>



<p>Auch wenn der Film in der rum&auml;nischen Gesellschaft Interesse weckte &ndash; die sich oft nur ungern mit der traumatischen Vergangenheit der Roma auseinandersetzt &ndash; l&ouml;ste er weder die von Radu Jude erhoffte Debatte noch den von mir ausgemalten Ansturm auf die Archive aus. Wieder einmal ist die Versklavung der Roma im Staub der Vergangenheit verschwunden und wartet auf einen neuen Moment, der Neugierde weckt und vor allem nachhaltige Archivforschung anregt, um eine Erz&auml;hlung zu konstruieren, die stark genug ist, um hartn&auml;ckigen historischen Mythen entgegenzuwirken.</p>



<p><strong>Recht, Eigentum und die Grundstruktur der Sklaverei</strong></p>



<p>Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebte die Roma-Bev&ouml;lkerung (in Dokumenten als <em>&#354;igani </em>bezeichnet, was dem englischen Wort &bdquo;Gypsies&ldquo; und dem deutschen Wort &bdquo;Zigeuner&ldquo; entspricht) in den rum&auml;nischen F&uuml;rstent&uuml;mern in einem Zustand der Sklaverei. Die bedeutendsten Halter von Sklav:innen waren der F&uuml;rst, die Bojaren und die Kirche. Der Film portr&auml;tiert alle drei Gesellschaftsgruppen anhand von Szenen, die den Zuschauenden helfen sollen, sie anhand ihrer T&auml;tigkeiten zu erkennen.</p>



<p>So wuschen die Sklav:innen des F&uuml;rsten Gold in Fl&uuml;ssen, entrichteten eine j&auml;hrliche Steuer an die f&uuml;rstliche Schatzkammer und genossen Bewegungsfreiheit sowie ein Ma&szlig; an pers&ouml;nlicher Freiheit, das anderen Gruppen nicht zuteilwurde. Kloster- und Bojarensklav:innen arbeiteten auf Klosterg&uuml;tern oder den Besitzt&uuml;mern der Bojaren, die uneingeschr&auml;nkte Gewalt &uuml;ber sie hatten. Ihre Herren &ndash; Kl&ouml;ster oder Bojaren &ndash; konnten sie verkaufen, von ihren Familien trennen und ohne ihre Zustimmung Ehen f&uuml;r sie arrangieren (Legiuirea Caragea, 7&amp;5). Sie lebten und arbeiteten auf den G&uuml;tern ihrer Herren und durften diese nicht verlassen. Allerdings legte das Caragea-Gesetz fest, dass der Herr &bdquo;keine Macht &uuml;ber den Zigeuner hat&ldquo;, was bedeutete, dass er ihn nicht t&ouml;ten durfte (LC, 7&amp;4).</p>



<p>Aus rechtlicher Perspektive galten Sklav:innen als &bdquo;Ware&ldquo; und werden in Artikeln und Kapiteln, die sich explizit mit Eigentumsrechten, Mitgift und Erbschaft befassen, als solche bezeichnet (LC, S. 112). Sie finden sich in Inventarlisten, beispielsweise in Haushaltsregistern, Mitgiftlisten oder Nachlassverzeichnissen. Bei der Werteinsch&auml;tzung der Sklav:innenenarbeit f&uuml;hrte der Gesetzestext den Begriff <em>Obraz</em> (Person) ein, der eine Person bezeichnete, deren Wert durch ihr Handwerk stieg (LC, 7&amp;7, 7&amp;8). Das Gesetz erkannte damit implizit den Sklaven bzw. die Sklavin als Mensch an, der/die zur Selbstverwirklichung f&auml;hig war. Der Text &auml;u&szlig;erte sich jedoch nicht zur Rechtsf&auml;higkeit eines Sklaven oder einer Sklavin: ob er oder sie vor Gericht klagen, Bittgesuche stellen, sich selbst verteidigen oder als Zeug:in aussagen konnte.</p>



<p>Die Rechtspraxis offenbart jedoch verschiedene Situationen, in denen ein:e Sklav:in vom &bdquo;Objekt des Rechts&ldquo; zum &bdquo;Subjekt des Rechts&ldquo; wurde. Die folgende Fallstudie veranschaulicht eine solche Umschreibung.</p>



<p><strong>Freiheit nach dem Willen des Sklavenherrn</strong></p>



<p>F&uuml;r die meisten versklavten Roma beruhte Freiheit nicht auf einem anerkannten Recht, sondern auf einem Willensakt. Wer in die Sklaverei hineingeboren wurde (in den Dokumenten als <em>Robie</em> bezeichnet), musste damit rechnen, im selben Zustand zu sterben, sofern ein:e Herr:in nicht beschloss, dieses Schicksal zu &auml;ndern. Freiheit st&uuml;tzte sich weniger auf das Gesetz als auf Wohlwollen gegen&uuml;ber dem Sklaven.</p>



<p>Schwellenmomente &ndash; insbesondere der nahende Tod &ndash; veranlassten Sklav:innenhaltende oft dazu, den Status ihrer einstigen Diener:innen neu zu &uuml;berdenken. Die Freilassung eines/einer &bdquo;treuen&ldquo; Sklav:in wurde Teil des moralischen Heilsplans. Man stellte sich die Freilassung als letzte gute Tat vor, die das Andenken der Lebenden und die Gnade im Jenseits sichern sollte. In diesem Sinne fungierte die Emanzipation ebenso sehr als spiritueller sowie als sozialer oder rechtlicher Akt.</p>



<p>Doch selbst Gro&szlig;z&uuml;gigkeit bedurfte einer rechtlichen Form. Eine Freiheitserkl&auml;rung musste schriftlich festgehalten, unterzeichnet, besiegelt und bezeugt werden, um Rechtsg&uuml;ltigkeit zu erlangen. Das Dokument verwandelte eine moralische Geste in einen juristischen Akt. Ohne diese Formalisierung blieb die Freiheit zerbrechlich und angreifbar durch Erben oder Vorm&uuml;nder, die Eigentumsanspr&uuml;che geltend machen konnten.</p>



<p>Die Begr&uuml;ndung f&uuml;r diese Handlungen war selten humanit&auml;r im modernen Sinne und gr&uuml;ndete sich auch nicht auf eine abstrakte Lehre von Naturrechten. Vielmehr basierte sie auf christlichen Vorstellungen von N&auml;chstenliebe, Reue und der Belohnung nach dem Tod. Die gew&auml;hrte Freiheit entsprang weniger der Anerkennung eines inh&auml;renten Menschseins als der Sorge des Sklavenhaltenden um das eigene Seelenheil.</p>



<p>So entstand das Paradoxon: Die Freiheit des bzw. &nbsp;der Versklavten hing vom Gewissen des Besitzenden ab, doch sobald sie auf Papier festgehalten war, gelangte sie in den Bereich des Rechts &ndash; wo sie verteidigt, angefochten und mitunter in einen dauerhaften Anspruch auf Personenw&uuml;rde umgewandelt werden konnte.</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-1024x854.jpg" alt="Eine historische Schwarz-Wei&szlig;-Illustration (vermutlich eine Zeichnung oder Radierung). Im Vordergrund reiten drei M&auml;nner in traditioneller Kleidung auf einer unbefestigten Stra&szlig;e. Der vorderste Reiter hat einen Bart, tr&auml;gt einen langen dunklen Mantel und eine Kopfbedeckung. Hinter den Reitern, in der Bildmitte, befindet sich ein gro&szlig;er, h&ouml;lzerner Wagen mit Speichenr&auml;dern, der von Zugtieren gezogen wird. Der Wagen ist dicht gedr&auml;ngt mit Menschen besetzt, die teils Kopft&uuml;cher tragen, und hinten ragen lange Holzstangen heraus. Die umgebende Landschaft ist flach und karg. | A historical black-and-white illustration or etching. In the foreground, three men in traditional attire are riding horses along a dirt path. The lead rider is bearded, wearing a long dark coat and a cap. Behind the riders, occupying the midground, is a large, wooden, animal-drawn wagon with spoked wheels. The wagon is crowded with people, some wearing headscarves, and heavily loaded with long poles sticking out the back. The background depicts a flat, barren landscape." srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-1024x854.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-300x250.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-768x641.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837.jpg 1050w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-1024x854.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-300x250.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837-768x641.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Auguste_Raffet_Famille_tsigane_en_voyage_en_Moldavie_1837.jpg 1050w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>&nbsp;Auguste Raffet: Eine nomadische Roma-Familie auf Reisen in Moldawien, 1837. Wikimedia Commons. </figcaption></figure>



<p><strong>Eine Frau, die ihren Herrn vor Gericht brachte</strong></p>



<p>Im Jahr 1830 verhandelten die Gerichte von Craiova den Fall von Ti&#355;a, einer ehemaligen Sklavin der Bojaren Smaranda und Dumitrache Urianu. Die Gerichte mussten anhand von drei einander widersprechenden Darstellungen entscheiden, in denen der Status von Gegenst&auml;nden und Personen unterschiedlich interpretiert wurde.</p>



<p>Ti&#355;a behauptete, kurz vor dem Tod ihrer Herrin Smaranda Urianu freigelassen worden zu sein. Als Beweis legte sie eine Freilassungsurkunde (<em>carte de slobozenie</em>) vom 13. Oktober 1818 vor, die von beiden ehemaligen Herren unterzeichnet und besiegelt war. Ihre tats&auml;chliche Freiheit erlangte sie jedoch erst 1829, zehn Jahre sp&auml;ter, als sie den Haushalt ihrer Herrin verlie&szlig; und in die Stadt zog, wo sie eine Anstellung als Dienstbotin fand.</p>



<p>Im Jahr 1830 fochten die T&ouml;chter Ana und Maria Urianu das Dokument an. Sie argumentierten, es handele sich um eine F&auml;lschung, die ihr Vater 1829 verfasst und r&uuml;ckdatiert habe. Ti&#355;a, so behaupteten sie, sei Teil der Mitgift ihrer Mutter gewesen und geh&ouml;re daher ihnen als Erbinnen; ihr Vater, der lediglich als Vormund fungierte, habe kein Recht gehabt, eine Freilassungsurkunde auszustellen. Sie beschrieben Ti&#355;a als &bdquo;eine Frau, die in allen Dingen begabt&ldquo; und &bdquo;selten zu finden&ldquo; war, und daher als jemanden, den sie nicht verlieren wollten.</p>



<p>Dumitrache Urianu &bdquo;gab zu&ldquo;, dass er ein gef&auml;lschtes Freilassungsdokument nur deshalb aufgesetzt hatte, um den Konflikt zwischen seinen beiden T&ouml;chtern zu beschwichtigen, die darum stritten, die Arbeitskraft und die F&auml;higkeiten einer Sklavin behalten zu d&uuml;rfen, der sie im Grunde aufgezogen hatte.</p>



<p>Die Analyse der Richter kreiste um zwei Rechtsfragen: (1) die Rechte der Erben an der Mitgift ihrer Mutter und (2) die Befugnisse eines Vormunds in Bezug auf verwaltetes Verm&ouml;gen. Diese Punkte verdeckten die grundlegende Frage nach dem Recht des Menschen auf Freiheit.</p>



<p>Der Fall Ti&#355;a wirft eine der zentralen Fragen von <em>Aferim!</em> auf: Sind Roma-Sklav:innen Menschen oder blo&szlig; Objekte? Die Richter stuften Ti&#355;a wiederholt als Ware ein und ignorierten ihr Recht auf Freiheit. Ihre Argumentation offenbarte, was die Gesellschaft zu jener Zeit am meisten sch&auml;tzte: Besitz, sozialen Status und Ungleichheit. Der Sklavenherr war ein angesehenes Mitglied der lokalen Gemeinschaft; Ti&#355;a hingegen war lediglich eine &bdquo;Ware&ldquo;, die in einem Mitgiftregister verzeichnet war. Entsprechend urteilten die Richter, dass die &bdquo;Ware&ldquo; an ihre rechtm&auml;&szlig;igen Erben zur&uuml;ckkehren m&uuml;sse, denen durch einen &bdquo;Irrtum&ldquo; der Nutzen ihres Eigentums entzogen worden sei. Nur ein Richter gab eine abweichende Meinung ab und schrieb, dass &bdquo;Freiheit, wie auch immer sie erlangt wurde, das Wertvollste von allem ist&ldquo; und dass Ti&#355;a frei bleiben m&uuml;sse, da ihre erneute Versklavung eine schwere Ungerechtigkeit darstellen w&uuml;rde.</p>



<p>Ti&#355;a erlangte ihre Freiheit schlie&szlig;lich aus eigener Handlungsmacht und aufgrund ihrer Beharrlichkeit, mit der sie Petitionen bei verschiedenen Gerichten einreichte. Drei Jahre lang trug sie ihr Schicksal von einem lokalen Gericht zum n&auml;chsten, und als alles gegen sie zu sein schien, wandte sie sich an den Obersten Gerichtshof in Bukarest (den Hohen Diwan) und vertraute dabei auf den Wortlaut des Gesetzes, der besagte, dass &bdquo;jede:r freigelassene Roma die gleiche Ehre wie die freien Untertanen genie&szlig;t&ldquo; (LC, 8&amp;2).</p>



<p>Die Gesellschaft war jedoch noch nicht bereit, das Freiheitsrecht jener Individuen anzuerkennen, die jahrhundertelang an den Rand gedr&auml;ngt worden waren. Ti&#355;a selbst best&auml;tigte dies, als sie nach zehnmonatigem Warten vor dem Gericht schrieb, dass &bdquo;ein Fall von Sklaverei wertlos&ldquo; sei f&uuml;r die lokalen Beamten, die die Vorladung der Angeklagten auf unbestimmte Zeit verschoben hatten.</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/RomaFamily-1860.webp" alt='Eine historische Sepia-Fotografie, montiert auf einem Karton mit schmalem orangefarbenem Rand. Unten rechts steht der Name &bdquo;C.P. Szathm&aacute;ri&ldquo;. Das Bild zeigt ein arrangiertes Gruppenportr&auml;t von f&uuml;nf Personen in traditioneller Kleidung vor einem schlichten Hintergrund auf einem Holzboden. Hinten in der Mitte befindet sich ein Mann mit breitkrempigem Hut, dunkler Weste und wei&szlig;em Hemd. Links im Bild sitzt eine Frau mit Kopftuch, wei&szlig;er Bluse mit weiten &Auml;rmeln und gestreiftem Rock; sie st&uuml;tzt ihren Kopf auf die Hand. Vorne rechts sitzt eine j&uuml;ngere Frau mit Kopftuch, die eine lange Pfeife raucht. Auf dem Boden sitzen zwei Kinder: links ein dunkel gekleidetes Kind mit nackten Schultern, rechts ein oberk&ouml;rperfreies Kind mit Halskette. Alle sichtbaren F&uuml;&szlig;e sind barfu&szlig;. | A historical sepia-toned portrait photograph mounted on a card with a thin orange border. Text at the bottom right reads "C.P. Szathm&aacute;ri". The image shows a posed group of five people in traditional attire against a plain background on a wooden floor. In the upper center is a man wearing a wide-brimmed hat, dark vest, and white shirt. Seated on the left is a woman wearing a headscarf, a voluminous white blouse, and a striped skirt, resting her head against her hand. Seated in the lower right is a younger woman with a headscarf smoking a long pipe. Two children sit on the floor: on the far left, a child wrapped in dark clothing with bare shoulders, and on the far right, a bare-chested child wearing a necklace. All visible feet are barefoot' srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/RomaFamily-1860.webp 399w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/RomaFamily-1860-186x300.webp 186w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/RomaFamily-1860.webp 399w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/RomaFamily-1860-186x300.webp 186w" sizes="(max-width: 399px) 100vw, 399px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Carol Szathm&aacute;ri, Portrait einer Roma Familie, ca. 1860. National Library of Romania.&nbsp;</figcaption></figure>



<p>Das Oberste Gericht, das gro&szlig;en Wert auf Pr&auml;senz legte, wartete auf Dumitrache Urianu und forderte ihn wiederholt per Rundschreiben an die lokalen Beh&ouml;rden auf, in Bukarest zu erscheinen. Sein Widerstand gegen die zentrale Autorit&auml;t wurde im Gerichtsprotokoll festgehalten. Das Gericht f&auml;llte schlie&szlig;lich in seiner Abwesenheit ein Urteil und best&auml;tigte Ti&#355;as Freiheit. Sie wurde in das Steuerzahlerregister eingetragen und damit formell als Mitglied der Gemeinschaft der freien B&uuml;rger:innen anerkannt.</p>



<p><strong>Die Einforderung des Rechts auf Menschlichkeit</strong></p>



<p>Ti&#355;as Geschichte war kein Einzelfall. Weitere versklavte Frauen, die &auml;hnliche Anspr&uuml;che geltend machten &ndash; Maria, Dragomira, Ilinca &ndash; tauchen in den Archiven auf. Ihre F&auml;lle zeigen, dass versklavte Frauen keine passiven Opfer eines starren Rechtssystems waren. Sie nutzten die Gerichte, mobilisierten schriftliche Dokumente, beriefen sich auf Gesetzesklauseln und legten Berufung bei verschiedenen Gerichtsbarkeiten ein. Sie machten sich das Spannungsverh&auml;ltnis zwischen Eigentumsrecht und den aufkommenden Vorstellungen von rechtlicher Gleichheit zunutze. Dadurch zwangen sie die Gerichte, sich mit der Instabilit&auml;t der Kategorien auseinanderzusetzen, auf die sie sich st&uuml;tzten.</p>



<p>Das Jahr 1835 &ndash; in dem die Handlung von <em>Aferim!</em> spielte &ndash; markiert einen Wendepunkt. Die walachische Gesellschaft befand sich im Spannungsfeld zwischen einem alten, auf Hierarchie und patrimonialen Privilegien beruhenden Regime und einem Reformdrang, der von internationalem Druck, administrativer Zentralisierung und neuen moralischen Diskursen gepr&auml;gt war. In diesem &Uuml;bergangsraum wurde der Gerichtssaal zum zentralen Ort, an dem die Ontologie der Sklavin ausgehandelt wurde. War sie Eigentum, vererbbar und handelbar? Oder war sie eine Person mit eigenen Rechten?</p>



<p>Die Antwort war nie eindeutig. Das Recht objektivierte und vermenschlichte zugleich. Sklavenhaltende beriefen sich auf Eigentum; versklavte Frauen auf Gerechtigkeit. Zwischen diesen konkurrierenden Anspr&uuml;chen entbrannte ein Kampf nicht nur um Status, sondern um die Bedeutung des Menschseins selbst.</p>



<p>Durch Beharrlichkeit, Rechtskenntnisse und strategischen Einsatz in einer pluralistischen Rechtsordnung betraten Frauen wie Ti&#355;a Gerichtss&auml;le als Eigentum und versuchten, sie als Personen zu verlassen. Ihre Geschichten zwingen uns, Sklaverei nicht nur als Herrschaftssystem, sondern auch als Feld juristischer Auseinandersetzungen zu begreifen, in dem die Grenze zwischen Sache und Person immer wieder neu verhandelt und mitunter neu gezogen wurde.</p>



<p><strong>Quellen und Literatur: </strong></p>



<p>National Archives of Romania, Bucharest, Fund Manuscripts, MS 952, ff. 327-330.</p>



<p>National Archives of Romania, Bucharest, Fund &Icirc;naltul Divan, 79/1832.</p>



<p>Allain Jean (Hrsg.): The Legal Understanding of Slavery: From the Historycal to the Contemporary, Oxford University Press, Oxford, 2012.</p>



<p>Constantin Florina Manuela: Statutul juridic al robilor &#539;igani reflectat de practica social&#259; a secolului al XVII-lea (&#538;ara Rom&acirc;neasc&#259;), in: Studii &#537;i Materiale de Istorie Medie, 36, 2018, 101-126.</p>



<p>David Gaunt and Rotaru Julieta: The Living Coditions of Gypsy Slaves in Early Nineteents-Century Wallachia, in: Romani Studies 5, 31.1, 2021, 29-55.</p>



<p>Herzog Tamar: Enslaved as Outsiders, Enslaved as Property: Understanding Slavery in a Global and Early Modern Constext, in: Legal History, 32, 2024, 42-56.</p>



<p>Matei Petre: Understanding and Legitimizing Gypsy Slavery in the Traditional Romanian Society &ndash; the Life of St Gregory of Agrigento, in: Romani Studies, 32.2, 2022, 295-315.</p>



<p>Vintil&#259;-Ghi&#355;ulescu Constan&#355;a: Im Schalwar und mit Baschlik. Kirche, Sexualit&auml;t, Ehe und Scheidung in der Walachei im 18. Jarhundert, Frank&amp;Timmme, Berlin, 2013.</p>



<p>Vintil&#259;-Ghi&#355;ulescu Constan&#355;a: Liebesglut: Liebe und Sexualit&auml;t in der rum&auml;nischen Gesellschaft 1750-1830, Frank&amp;Timme, Berlin, 2011.</p>



<div><figure><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-1024x1024.jpg" alt="Portr&auml;t einer Frau im Freien, die mit neutralem Ausdruck nach rechts aus dem Bild blickt. Sie hat kurzes, braunes Haar und tr&auml;gt eine feine Brille. Bekleidet ist sie mit einem dunkelblauen Oberteil, dazu tr&auml;gt sie kleine Ohrstecker und eine zarte Halskette mit einem kleinen Anh&auml;nger. | An outdoor portrait of a woman looking off-camera to the right with a neutral expression. She has short, brown hair and wears fine wire-rimmed glasses. She is dressed in a dark blue top, along with small stud earrings and a delicate necklace with a small pendant." srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-2048x2048.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Constanta-Vintila-2048x2048.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer"></figure><div>
<p><a href="https://www.uni-muenster.de/EViR/fellows/aktuellefellows/constantavintila.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dr. Constan&#355;a Vintil&#259;</a> ist Historikerin und von September 2025 bis August 2026 Fellow am K&auml;te Hamburger Kolleg. Sie forscht unter anderem zur Geschichte von Frauen und Familie im modernen S&uuml;dosteuropa und zum sozialen Status sowie der Rechtsgeschichte im Europa des 18. Jahrhunderts.</p>
</div></div>



<hr>



<p><strong>Zitieren als:</strong><br>Vintil&#259;, Constan&#355;a, Vom Eigentum zur Person: Der Rechtskampf einer Roma-Frau um ihre Freiheit, EViR Blog, 20.03.2026, <a href="https://www.evir.uni-muenster.blog/vom-eigentum-zur-person/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">https://www.evir.uni-muenster.blog/vom-eigentum-zur-person/</a>.</p>



<p><strong>Lizenz:</strong><br>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



<p></p>]]></content>
	<updated>2026-03-20T15:07:26+00:00</updated>
	<author><name>Constanţa Vintilă</name></author>
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		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode of Displacing Universities Ian and Svitlana speak with Marie-Christine Ukelo-Mbolo Merga about Perspectives AlterEgauZ* at the University of Fribourg.</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/perspectives-alteregauz-at-the-university-of-fribourg-with-marie-christine-ukelo-mbolo-merga/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Perspectives AlterEgauZ at The University of Fribourg with Marie-Christine Ukelo-Mbolo Merga</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Ninon Maillard</name></author>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode of Displacing Universities Ian and Monica are speaking about the various Initiatives for Refugees at University of Cologne with Ariane Elshof. Ariane works in the Department 'International Students &amp; Global Responsibility' where she's the Team Lead for Academic Refugee Support and Coordinates the Study Preparatory Measures for Refugees.</p>
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	<title type="html">University Education at Kakuma Refugee Camp with Paul O’Keefe</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode of Displacing Universities Ian speaks with Paul O&rsquo;Keefe. Paul worked for many years at in Kakkuma refugee camp in Kenya, including for the University of Geneva&rsquo;s Inzone project. He also has strong ties with Vijana Twaweza Club, a sustainable agriculture organisation which is based in the camp, a group he keeps in touch with as part of his new job as Head of Education and Research at Airfield Estate in Dublin.</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/university-education-at-kakuma-refugee-camp-with-paul-okeefe/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">University Education at Kakuma Refugee Camp with Paul O&rsquo;Keefe</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
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	<author><name>Ian M. Cook</name></author>
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	<title type="html">JOURNEY</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode YAIM members retrace&nbsp;their perilous backway&nbsp;journey towards Europe in 2016/2017,&nbsp;across West African borders into Libya, highlighting the systemic [&hellip;]</p>
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	<author><name>Viola Castellano</name></author>
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	<title type="html">KI-Kunst schutzlos: Urheber muss Mensch sein, sagt der Oberste Gerichtshof der USA</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>https://www.golem.de/news/urheber-muss-mensch-sein-informatiker-hat-keinen-anspruch-auf-ki-kunstwerk...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.golem.de/news/urheber-muss-mensch-sein-informatiker-hat-keinen-anspruch-auf-ki-kunstwerk-2603-206042.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.golem.de/news/urheber-muss-mensch-sein-informatiker-hat-keinen-anspruch-auf-ki-kunstwerk-2603-206042.html</a></p>]]></content>
	<updated>2026-03-04T00:02:51+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">BGH ermöglicht Online-Fortbildungen</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>https://www.lto.de/recht/juristen/b/bgh-iiizr13725-anwaltliche-fortbildung-synchron-online-fernunter...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.lto.de/recht/juristen/b/bgh-iiizr13725-anwaltliche-fortbildung-synchron-online-fernunterricht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.lto.de/recht/juristen/b/bgh-iiizr13725-anwaltliche-fortbildung-synchron-online-fernunterricht</a></p>]]></content>
	<updated>2026-03-02T21:15:37+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<updated>2026-03-02T21:15:37+00:00</updated>
		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">Neuer Anlauf Schweizer Zweitveröffentlichungsrecht</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>https://wisspub.net/2026/03/02/neuer-anlauf-schweizer-zweitveroffentlichungsrecht/
Viel bringen wird...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://wisspub.net/2026/03/02/neuer-anlauf-schweizer-zweitveroffentlichungsrecht/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://wisspub.net/2026/03/02/neuer-anlauf-schweizer-zweitveroffentlichungsrecht/</a></p>
<p>Viel bringen wird es nicht.</p>]]></content>
	<updated>2026-03-02T18:45:35+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<id>tag:vifa-recht.de,2026-03-01:/281342</id>
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	<title type="html">Education Pathways Ireland at The University of Galway with Andrew Flaus</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>In this episode of Displacing Universities Ian is speaking with Andrew Flaus about Education Pathway...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>In this episode of Displacing Universities Ian is speaking with Andrew Flaus about Education Pathways at the University of Galway. [&hellip;]</p>
<p>The post <a href="https://allegralaboratory.net/education-pathways-ireland-at-the-university-of-galway-with-andrew-flaus/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Education Pathways Ireland at The University of Galway with Andrew Flaus</a> appeared first on <a href="https://allegralaboratory.net" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Allegra Lab</a>.</p>]]></content>
	<updated>2026-03-01T20:43:27+00:00</updated>
	<author><name>Ian M. Cook</name></author>
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		<title>Allegra</title></source>

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	<id>tag:vifa-recht.de,2026-02-23:/280702</id>
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	<title type="html">Die Überwachung von Ehe und Migration</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Grenzen der Intimit&auml;t &ndash; damals und heute



Verd&auml;chtige Paare: Ehe und Migrationskontrolle heute


...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><strong>Grenzen der Intimit&auml;t &ndash; damals und heute</strong></p>



<p><strong>Verd&auml;chtige Paare: Ehe und Migrationskontrolle heute</strong></p>



<p>Ehen zwischen Europ&auml;erinnen und &bdquo;Drittstaatsangeh&ouml;rigen&ldquo; werden heute (erneut) mit Misstrauen betrachtet. Die Versicherheitlichung der Migration (die Verkn&uuml;pfung der Themenfelder Sicherheit und Migration), die in den letzten Jahrzehnten eine neue Qualit&auml;t erreicht hat, ist mit dem Verst&auml;ndnis der Ehe als Schwachstelle der europ&auml;ischen Grenzkontrolle verbunden. Regierungen haben ihre Bem&uuml;hungen zur Verhinderung sogenannter &bdquo;Scheinehen&ldquo; intensiviert. Diese werden gemeinhin als Ehen definiert, die zum Zweck der Erlangung von Migrationsvorteilen geschlossen werden.</p>



<p>Untersuchungen zur Umsetzung der aktuellen Gesetze gegen Scheinehen haben gezeigt, dass Verwaltungsverfahren oftmals von Vorurteilen gegen&uuml;ber Partnerschaften zwischen europ&auml;ischen Frauen und &bdquo;Drittstaatsangeh&ouml;rigen&ldquo;, insbesondere wenn muslimische M&auml;nner beteiligt sind, gepr&auml;gt sind. Gem&auml;&szlig; der aktuellen Verwaltungslogik gelten Ehen, die Partner nicht nur &uuml;ber nationalstaatliche Grenzen, sondern auch &uuml;ber ethnische, kulturelle und religi&ouml;se Unterschiede hinweg verbinden, als verd&auml;chtig und rechtfertigen folglich Untersuchungen des Privatlebens der Paare. Solche staatlichen Reaktionen auf Heiratsmigration und die ihnen zugrunde liegenden Annahmen sind kein neues Ph&auml;nomen. Ihre historische Einordnung kann dazu beitragen, die Bedeutung von Ehe als Grenzpraktik zu verstehen. Arbeiten zum Thema geschlechtsspezifischer Staatsb&uuml;rgerschaft und zur Geschichte der Heiratsmigration zeigen, dass die aktuelle Besorgnis &uuml;ber &bdquo;Scheinehen&rdquo; historische Muster wiederholt und an Praktiken und Diskurse ankn&uuml;pft. Die Regeln, die festlegen, wer heiraten darf und wo Paare und Familien leben d&uuml;rfen, dienen seit langem dazu, Zugeh&ouml;rigkeit und Fremdheit zu definieren. Die Ehe war und ist von zentraler Bedeutung f&uuml;r die Definition nationaler Gemeinschaften, f&uuml;r die Grenzziehung innerhalb von Gesellschaften sowie die Abgrenzung nach au&szlig;en.</p>



<figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-1024x762.jpg" alt='Eine farbenfrohe historische Weltkarte aus dem Jahr 1886 mit dem Titel &bdquo;Imperial Federation - Map of the World&ldquo;. Die Gebiete des Britischen Weltreichs sind leuchtend rot hervorgehoben. Der Rahmen ist aufwendig mit Illustrationen von Menschen aus verschiedenen Kolonien, einheimischen Tieren (wie Tiger und K&auml;nguru) und symbolischen Figuren geschm&uuml;ckt. Am oberen Rand stehen die Banner &bdquo;Freedom&ldquo;, &bdquo;Fraternity&ldquo; und &bdquo;Federation&ldquo;. Unten mittig thront die Figur der Britannia auf einem Globus. | A colorful historical world map from 1886 titled "Imperial Federation - Map of the World." The territories of the British Empire are highlighted in bright red. The border is elaborately decorated with illustrations of people from various colonies, indigenous animals (such as a tiger and kangaroo), and symbolic figures. Banners at the top read "Freedom," "Fraternity," and "Federation." At the bottom center, the figure of Britannia is shown seated atop a globe.' srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-1024x762.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-300x223.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-768x571.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-1536x1143.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-2048x1523.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-1024x762.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-300x223.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-768x571.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-1536x1143.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Imperial_Federation_Map_of_the_World_Showing_the_Extent_of_the_British_Empire_in_1886_levelled-1-2048x1523.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Illustrierte Weltkarte von Walter Crane, die die Ausdehnung des British Empire im Jahr 1886 zeigt. Abbildung: Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-891x1024.jpg" alt='Ein digitaler Scan einer gedruckten Seite mit dem Titel &bdquo;MARRIAGES BETWEEN ENGLISH WOMEN AND NATIVES OF BRITISH INDIA&ldquo;, verfasst von Sir E. J. Trevelyan. Der Text er&ouml;rtert die soziale und rechtliche G&uuml;ltigkeit von Ehen zwischen englischen Frauen und indischen M&auml;nnern w&auml;hrend der Kolonialzeit. | A digital scan of a printed page titled "MARRIAGES BETWEEN ENGLISH WOMEN AND NATIVES OF BRITISH INDIA" by Sir E. J. Trevelyan. The text discusses the social and legal validity of marriages between English women and Indian men during the colonial era.' srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-891x1024.jpg 891w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-261x300.jpg 261w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-768x882.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-1337x1536.jpg 1337w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-1783x2048.jpg 1783w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-891x1024.jpg 891w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-261x300.jpg 261w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-768x882.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-1337x1536.jpg 1337w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Seiten-aus-Trevelyan-MarriagesEnglishWomen-1917_Zuschnitt-1783x2048.jpg 1783w" sizes="(max-width: 891px) 100vw, 891px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ging die Zunahme von Ehen zwischen britischen Frauen und indischen M&auml;nnern mit Rechtsstreitigkeiten einher, die vor Gerichten in Gro&szlig;britannien und Indien verhandelt wurden. Der juristische Diskurs der Zeit (hier veranschaulicht durch einen Artikel von E.J. Trevelyan) war verflochten mit Vorstellungen von ehelicher Unvereinbarkeit, die Verbindungen zwischen indischen M&auml;nnern und britischen Frauen grunds&auml;tzlich als ungl&uuml;ckliche Ehen darstellten. Abbildung: JSTOR. </figcaption></figure>



<p><strong>&ldquo;Wei&szlig;e Ehefrauen&ldquo; als Problem des British Empire</strong></p>



<p>Heute befasst sich die europ&auml;ische Migrationspolitik vor allem mit dem &bdquo;Missbrauch&ldquo; der Ehe durch M&auml;nner aus nicht EU-Staaten. In der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts, als europ&auml;ische Imperien noch gro&szlig;e Teile der Welt beherrschten, wurde die Regulierung der Heiratsmigration durch die Auswanderung vergleichbar weniger europ&auml;ischer Frauen angetrieben, die ihre au&szlig;ereurop&auml;ischen Ehem&auml;nner begleiten wollten. Zu dieser Zeit verloren die meisten europ&auml;ischen Frauen ihre Staatsb&uuml;rgerschaft, wenn sie einen Mann anderer Nationalit&auml;t ehelichten und nahmen die ihres Ehemanns an. Daher weckte die Heirat einer Frau in diesen F&auml;llen die Erwartung einer Auswanderung, oder bedingte sie.</p>



<p>W&auml;hrend Gro&szlig;britannien schon lange Zielort indischer Arbeits- und Bildungsmigration war, befanden sich seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs indische M&auml;nner auch vermehrt in Kontinentaleuropa. Als Kolonialuntertanen des Britischen Empire geboren, kamen sie unter anderem als Studenten, Arbeiter, Seeleute, Soldaten und politische Aktivisten nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz. In der Zwischenkriegszeit stieg die Anzahl indische M&auml;nner und europ&auml;ische Frauen, die in Europa heiraten und nach Indien &uuml;bersiedeln wollten. Das britische Au&szlig;enministerium und das India Office nahmen diese Entwicklung zur Kenntnis und berieten &uuml;ber m&ouml;gliche Reaktionen. Die Beamten hatten tiefsitzende Bedenken hinsichtlich dieser Beziehungen, die einen hohen symbolischen Charakter besa&szlig;en und die Trennung und Hierarchien der Kolonialgesellschaft, die die herrschende Elite sch&uuml;tzten, zu untergraben drohten. Die Bedenken gegen&uuml;ber solchen Verbindungen beruhten oft auf stereotypen Annahmen &uuml;ber sogenannte &bdquo;Mischehen&ldquo;. Sie wurden auch durch den unsicheren rechtlichen Status der Frauen in der Kolonie verst&auml;rkt, wo das Personenrecht die Schwelle f&uuml;r Scheidungen senkte und Polygamie erm&ouml;glichte. Dementsprechend sch&auml;tzten Beamte das Risiko als gro&szlig; ein, dass diese Frauen von ihren Ehem&auml;nnern verlassen und entweder von privater Wohlfahrt abh&auml;ngig oder ihren Lebensunterhalt durch Prostitution erwirtschaften w&uuml;rden.</p>



<p>Diese offiziellen Bedenken hatten eine l&auml;ngere historische Entwicklung durchlaufen, aber der Erste Weltkrieg wirkte wie ein Katalysator. Die Einf&uuml;hrung eines Visa- und Passsystems und die wachsende Bedrohung des Empire durch den transnationalen Antikolonialismus versch&auml;rften auch die Wahrnehmung der Ehe als Gefahr f&uuml;r Migrationskontrolle. Europ&auml;ische Geheimdienste, Konsulate und Grenzbeamte arbeiteten nun eng zusammen, um die grenz&uuml;berschreitende Mobilit&auml;t zu kontrollieren, w&auml;hrend die Kategorie der unerw&uuml;nschten Migration weiter ausformuliert wurde. Vor diesem Hintergrund &ndash; und analog zu aktuellen Debatten &ndash; wurden bestimmte Ehen als unvereinbar mit einer effektiven Steuerung der Mobilit&auml;t zwischen (der damaligen) Kolonie und Metropole angesehen, w&auml;hrend andere normalisiert wurden.</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-670x1024.jpg" alt='Ein Schwarz-Wei&szlig;-Scan einer deutschen Zeitungsseite vom Sonntag, den 21. Dezember 1930. Die Seite tr&auml;gt den Titel &bdquo;Die Frau von heute&ldquo; und ist in Frakturschrift gesetzt. Der prominente Hauptartikel in der Mitte tr&auml;gt die &Uuml;berschrift &bdquo;Soll eine Europ&auml;erin einen Asiaten heiraten?&ldquo;. | A black-and-white scan of a German newspaper page dated Sunday, December 21, 1930. The header reads "Die Frau von heute" (The Woman of Today), and the text is printed in a traditional Fraktur script. The central, prominent article is titled "Soll eine Europ&auml;erin einen Asiaten heiraten?" (Should a European woman marry an Asian man?).' srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-670x1024.jpg 670w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-196x300.jpg 196w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-768x1174.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-1005x1536.jpg 1005w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-1340x2048.jpg 1340w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18.jpg 1563w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-670x1024.jpg 670w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-196x300.jpg 196w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-768x1174.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-1005x1536.jpg 1005w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18-1340x2048.jpg 1340w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Badischer-Beobachter.-1863-1935-21.12.1930-No.-348-p18.jpg 1563w" sizes="(max-width: 670px) 100vw, 670px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Im Jahr 1930 ver&ouml;ffentlichte der <em>Badische Beobachter</em> einen Artikel, in dem ein selbsternannter &ldquo;Kenner der &ouml;stlichen V&ouml;lker&rdquo; die Frage aufwarf, ob Europ&auml;erinnen die Ehe mit Asiaten eingehen sollten. Obwohl Ehen zwischen Indern und Deutschen, die in dem Artikel ausf&uuml;hrlich behandelt wurden, demographisch gesehen eine Marginalie darstellten, l&ouml;sten sie auch in Deutschland Debatten aus. Der Autor &auml;u&szlig;ert sich eindeutig ablehnend zu der aufgeworfenen Fragestellung und formuliert eine dezidierte Verneinung: &bdquo;Ich bin gegen eine solche Verbindung.&ldquo; Abbildung: Badischer Beobachter, 21.12.1930 (Badische Landesbibliothek). </figcaption></figure>



<p><strong>Eine Genealogie der Grenzpraktiken</strong></p>



<p>Die Bearbeitung von Visums- und Heiratsantr&auml;gen europ&auml;ischer Frauen und ihrer indischen Partner beinhaltete oftmals die Beurteilung der &bdquo;Respektabilit&auml;t&ldquo; der Beziehungen und des Charakters der antragsstellenden Personen. B&uuml;rokratische Verfahren, wie beispielsweise die pers&ouml;nlichen Befragungen der Antragsteller, die Aufforderung, intime Details ihrer Beziehung preiszugeben, und der Einsatz von &Uuml;berwachungstechniken waren Teil der Steuerung der Heiratsmigration im Zeitalter des formellen Imperialismus. Oftmals stellten britische Beamte die Verweigerung von Reisedokumenten f&uuml;r Frauen, die ihren Partnern nach Indien folgen wollten, und die Vereitelung ihrer Heiratsversuche als ritterliche Akte dar, die einzig allein zum Schutz der Frauen dienten &ndash; ihnen aber jedweder Handlungsmacht absprachen. Auch in den heutigen Debatten spielt der Schutz von Frauen vor ihren migrierten Partnern eine wichtige Rolle. Bef&uuml;rworter:innen einer strengeren Migrationspolitik verweisen auf die Notwendigkeit, Frauen vor Heiratsbetrug zu sch&uuml;tzen, um das Eindringen des Staates in die Privatsph&auml;re der B&uuml;rgerinnen und ihrer migrierten Partner zu rechtfertigen. Kritiker der Gesetzgebung gegen Scheinehen argumentieren hingegen, dass der Schutz der EU-Grenzen kein Rechtfertigungsgrund f&uuml;r das ihrer Meinung nach &uuml;berm&auml;&szlig;ige Eingreifen des Staates in die Privatsph&auml;re seiner B&uuml;rger und ihrer migrierten Partner sei.</p>



<p>Die Reaktionen des British Empires auf die Heiratsmigration bieten einen weiteren Ansatzpunkt f&uuml;r die Untersuchung der historischen Verflechtung rechtlicher und administrativer Regelungen zu Ehe und Migration &ndash; ein Ph&auml;nomen, das nach wie vor hochaktuell ist. Eine solche Betrachtung erm&ouml;glicht es, zu verstehen, inwiefern gegenw&auml;rtige gesellschaftliche Vorstellungen von Ehemigration Elemente eines kolonialen Diskurses aufgreifen. Dabei k&ouml;nnen auch die Entwicklung von Verwaltungstechniken und die Zusammenarbeit zwischen &Uuml;berwachungs- und Migrationsbeh&ouml;rden sowie die Bew&auml;ltigungsmechanismen von Paaren und Familien in den Blick genommen werden. Eine solche mehrdimensionale Perspektive kann dazu beitragen, die heutigen Reaktionen auf Heiratsmigration kritisch zu hinterfragen und staatliche Regulierung zu kontextualisieren.</p>



<p><strong>Literatur</strong></p>



<p>Anne Lavanchy: Glimpses into the Hearts of Whiteness: Institutions of Intimacy and the Desirable National, in: Harald Fischer-Tin&eacute; and Patricia Purtschert (Ed.): Colonial Switzerland: Rethinking Colonialism from the Margins, London, 2015, 278&ndash;295.</p>



<p>Betty de Hart: The Odd Couple. Gender, Securitization, Europeanization, and Marriages of Convenience in Dutch Family Migration Policies (1930-2020), in: Anne-Maries D&rsquo;Aoust (Ed.): Transnational Marriage and Partner Migration: Constellations of Security, Citizenship, and Rights, New Brunswick, 2022, 31&ndash;48.</p>



<p>Carina E. Ray: &ldquo;The white wife problem&rdquo;: Sex, Race and the Contested Politics of Repatriation to Interwar British West Africa in:&nbsp;Gender &amp; History,&nbsp;21.3, 2009, 628&ndash;646.</p>



<p>Christoph Lorke:&nbsp;Liebe verwalten: &bdquo;Ausl&auml;nderehen&ldquo; in Deutschland 1870&ndash;1945, Paderborn, 2020.</p>



<p>H&eacute;l&egrave;ne Neveu Kringelbach: &bdquo;&sbquo;Mixed Marriage&lsquo;, Citizenship and the Policing of Intimacy in Contemporary France, in: International Migration Institute Working Papers 77, 2013, 1&ndash;19.</p>



<p>Joe Turner:&nbsp;Bordering Intimacy: Postcolonial Governance and the Policing of Family, Manchester, 2020.</p>



<p>Laura Odasso: Negotiating Legitimacy: Binational Couples in the Face of Immigration Bureaucracy in Belgium and Italy, in:&nbsp;Anthropologica&nbsp;63.1, 2021, 1&ndash;30.</p>



<p>Miriam Gutekunst:&nbsp;Grenz&uuml;berschreitungen &ndash; Migration, Heirat und staatliche Regulierung im Europ&auml;ischen Grenzregime: Eine Ethnographie, Bielefeld, 2018.</p>



<div><figure><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-1024x1024.jpg" alt="Portr&auml;t einer Frau mit dunklen, gewellten Haaren und einem dezenten L&auml;cheln. Sie tr&auml;gt einen dunkelblauen Rippstrickpullover und kleine goldene Creolen. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt ein rotes Geb&auml;ude sowie herbstliches Laub auf dem Boden. | A head-and-shoulders portrait of a woman with dark wavy hair and a subtle smile. She is wearing a navy blue ribbed sweater and small gold hoop earrings. The background is blurred, showing a red building and autumn leaves on the ground." srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-2048x2048.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Joanna-Simonow-2048x2048.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer"></figure><div>
<p><a href="https://www.uni-muenster.de/EViR/fellows/aktuellefellows/joannasimonow.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dr. Joanna Simonow</a> ist Historikerin und von Oktober 2025 bis M&auml;rz 2026 Fellow am K&auml;te Hamburger Kolleg. Sie forscht zu sozialen Bewegungen, Internationalismus und dekolonialer Mobilisierung mit einem Fokus auf S&uuml;dasien.</p>
</div></div>



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<p><strong>Zitieren als:</strong><br>Simonow, Joanna, Die &Uuml;berwachung von Ehe und Migration: Grenzen der Intimit&auml;t &ndash; damals und heute, EViR Blog, 23.02.2026, <a href="https://www.evir.uni-muenster.blog/ehe-und-migration/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">https://www.evir.uni-muenster.blog/https://www.evir.uni-muenster.blog/ehe-und-migration/</a></p>



<p><strong>Lizenz:</strong><br>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



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<p></p>]]></content>
	<updated>2026-02-23T14:19:50+00:00</updated>
	<author><name>Joanna Simonow</name></author>
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		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<title type="html">Kein Urheberrechtsschutz für KI-Logos</title>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Änderung des bayerischen Archivgesetzes</title>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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	<title type="html">Cycles de conférences “Nouveaux champs en sciences du patrimoine” : L’esthétisation des paysages en question – 11 mars 2026 (Séance 6)</title>
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	<author><name>clarahochereau</name></author>
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		<title>Droit, patrimoine et culture</title></source>

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	<title type="html">How to Prevent a Work from Entering the Public Domain</title>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">Wie Intersektionalität hilft, die Geschichte von Vielfalt im Recht zu erzählen</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Eindr&uuml;cke vom Konzeptforum &bdquo;Intersektionalit&auml;t&ldquo; am 28. Oktober 2025



Was passiert, we...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>Eindr&uuml;cke vom Konzeptforum &bdquo;Intersektionalit&auml;t&ldquo; am 28. Oktober 2025</p>



<p>Was passiert, wenn Historiker:innen verschiedener Epochen, Rechtshistoriker:innen und Jurist:innen gemeinsam &uuml;ber Intersektionalit&auml;t diskutieren? Beim Konzeptforum am K&auml;te Hamburger Kolleg &bdquo;Einheit und Vielfalt im Recht&ldquo; Ende Oktober 2025 zeigte sich: Der Blick auf die &Uuml;berschneidungen sozialer Kategorien wie Geschlecht, Herkunft oder Religion ver&auml;ndert nicht nur aktuelle Debatten &ndash; er verschiebt auch den Blick wessen und wie Geschichte erz&auml;hlt wird. Dabei debattierte das Konzeptforum den methodischen Ansatz weniger in seiner allgemeinen Bedeutung, sondern fragte vielmehr danach, inwiefern intersektionale Betrachtungen neue Einsichten in die historische Dynamik des Verh&auml;ltnisses von Einheit und Vielfalt im Recht erm&ouml;glichen k&ouml;nnen. Zugleich fand die am Kolleg etablierte Formatreihe des Konzeptforums bereits zum f&uuml;nften Mal statt.</p>



<p>Gleich zu Beginn stellte Organisator Matthias B&auml;hr (D&uuml;sseldorf) klar, worum es an diesem Tag gehen sollte: nicht um eine neue Grundsatzdebatte &uuml;ber Intersektionalit&auml;t, sondern um die Frage, wie intersektionale Analysen neue Einsichten in historische Rechtsordnungen liefern k&ouml;nnen. Konkret k&ouml;nne man danach fragen, wer die &sbquo;Klassifikationsmacht&lsquo; hat, andere zu kategorisieren, welche (un)intendierten Nebenfolgen Gesetze erzeugen und wann soziale Differenzkategorien im Recht bewusst betont oder gar &uuml;bergangen werden. Zuletzt erinnerte B&auml;hr auch daran, dass intersektionale Analysen davor sch&uuml;tzen k&ouml;nnen, in essentialistische oder gar ahistorische Annahmen zu verfallen. Vielmehr k&ouml;nne sie dabei helfen, Machtdynamiken historischer Gesellschaften besser und genauer zu konturieren.</p>



<figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-1024x846.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-1024x846.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-300x248.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-768x635.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-1536x1269.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese.jpg 1549w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-1024x846.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-300x248.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-768x635.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese-1536x1269.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/DomenichinounicornPalFarnese.jpg 1549w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Matthias B&auml;hr nutzte das Fresko, um sich &uuml;berlagernde Kategorien wie Geschlecht, gesellschaftlicher Stand und Mensch-Tier-Gegens&auml;tze zu vedeutlichen. Bild: Domenichino (1581&ndash;1641), Jungfrau mit Einhorn (ca. 1604/5), Palazzo Farnese, Rom, Wikimedia Commons.</figcaption></figure>



<p>Matthias B&auml;hrs Beispiel veranschaulichte das Tagesvorhaben. Im gemischt-konfessionellen Irland um 1600 war der Besuch des anglikanischen Gottesdienstes f&uuml;r M&auml;nner und Frauen keine freiwillige Angelegenheit. Er war f&uuml;r alle Einwohner:innen rechtlich verpflichtend. Damit wurde der Gottesdienstbesuch auch zum politischen Loyalit&auml;tsbeweis gegen&uuml;ber der englischen Krone. Da man jedoch Frauen gem&auml;&szlig; der fr&uuml;hneuzeitlichen Geschlechtervorstellung keine eigenst&auml;nde politische Rolle beima&szlig;, wurde das Ausbleiben ihres Gottesdienstbesuchs nur &auml;u&szlig;erst selten strafrechtlich sanktioniert. Der rechtlich eingeforderten und vollzogenen m&auml;nnlichen Partizipation am anglikanischen Ritus stand somit eine zwar klandestine, aber in ihrer Aus&uuml;bung deutlich individuellere weibliche katholische Konfessionskultur als Nebenfolge gegen&uuml;ber. B&auml;hr zeigte, dass zu dieser Intersektion von Konfession und Geschlecht in der Verfolgungspraxis weitere Differenzkategorien hinzutraten: Kontrolliert und &Uuml;berwacht wurde die rechtliche Verpflichtung zum Gottesdienst nur in Bezug auf &auml;ltere, verm&ouml;gende und prestigereiche m&auml;nnliche Haushaltsvorst&auml;nde der politischen Elite. Beim Fernbleiben mussten diese dann mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Frauen konnten hingegen ein breiteres Spektrum katholischer Praktiken aus&uuml;ben, da ihnen schlicht keine politische Bedeutung zugeschrieben wurde. Insgesamt konnte sich damit eine von weiten Bev&ouml;lkerungskreisen getragene konfessionelle &bdquo;Subkultur&ldquo; ausformen, da diese nicht zu der als politisch relevant erachteten Intersektion geh&ouml;rten. So entstand neben der durch Rechtsnormen festgelegten Religionspraxis ein konfessionelles Leben, das erst durch diese Verschr&auml;nkung von Geschlecht, Konfession und gesellschaftlichem Stand m&ouml;glich wurde.</p>



<p><strong>Mehrschichtige Diskriminierungen? Ein roter Faden durch viele Epochen</strong></p>



<p>Gemeinsam mit G&auml;sten diskutierten aktuelle Fellows, Mitglieder und Alumni des Kollegs, wie sich mithilfe von Intersektionsanalysen die historische Dynamik des Verh&auml;ltnisses von Einheit und Vielfalt im Recht untersuchen l&auml;sst. Die Vortragenden brachten dazu Beispiele aus ihren eigenen Forschungen aus verschiedenen historischen und geografischen Kontexten mit. Den Auftakt zum ersten Panel machte Kristin Skottki (Bayreuth). Sie betonte, dass intersektionale Analysen in der Medi&auml;vistik bisher noch eher selten sind &ndash; zu Unrecht, wie ihr Beispiel zeigte. In den Druckmedien &uuml;ber das Pogrom im mecklenburgischen Sternberg 1492 wurden J&uuml;d:innen nicht nur religi&ouml;s ausgegrenzt, sondern auch aufgrund ihres abgestammten &bdquo;Geschlechts&ldquo; als erblich feindselige Gruppe konstruiert. Mehrere Kategorien &ndash; Religion und ein fr&uuml;her rassifizierender Diskurs &ndash; griffen hier ineinander. Dass Intersektionalit&auml;t nicht nur spezifische Diskriminierungserfahrungen untersuchen muss, zeigte Felix Kr&auml;mer (Erfurt) am Beispiel eines aus dem amerikanischen Evangelikalismus verbreiteten Diskurs. Seit den 1970er-Jahren inszeniert ein Teil der Szene eine vermeintlich existierende &bdquo;Krise der wei&szlig;en heterosexuellen M&auml;nnlichkeit&ldquo;. Verbunden war diese Medienkampagne mit rechtlichen und gesellschaftlichen Machtanspr&uuml;chen. Intersektionale Forschung kann auch helfen, Privilegien und deren politisch-diskursive Verteidigungsstrategien offenzulegen und besser zu verstehen. Ines R&ouml;ssl (Wien) pl&auml;dierte in ihrem Vortrag daf&uuml;r, intersektionale Untersuchungen in der Rechtswissenschaft breiter einzusetzen. Intersektionsanalysen m&uuml;ssten sich nicht auf das Anti-Diskriminierungsrecht beschr&auml;nken, sondern diese eignen sich allgemein, um Beziehungsgeflechte zwischen Rechtsnormen und sozialen Kategorien sichtbar zu machen.</p>



<figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-1024x546.jpg" alt="Gruppentisch w&auml;hrend einer Arbeitsveranstaltung oder eines Workshops. Rund zehn Personen sitzen an einem langen Tisch, konzentriert auf ihre Unterlagen und Notizen. Es sind haupts&auml;chlich M&auml;nner zu sehen, aber auch einige Frauen. Auf dem Tisch liegen Papiere, Stifte und Wasserflaschen. Im Hintergrund sind Plakate und Kleiderh&auml;nger zu erkennen. " srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-1024x546.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-300x160.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-768x410.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-1536x819.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-2048x1092.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-1024x546.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-300x160.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-768x410.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-1536x819.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/IMG_0861_Zuschnitt-2048x1092.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"><figcaption>Die Teilnehmenden des Konzeptforums diskutierten das Konzept der Intersektionalit&auml;t anhand verschiedener Beispiele. Foto: KHK EViR. </figcaption></figure>



<p>Im zweiten Panel pr&auml;sentierte Benjamin Seebr&ouml;ker (M&uuml;nster) seine Untersuchungen der Urteile des Zentralen Strafgerichtshofs in London. Die Gerichtsprotokolle zeigten: Die hohe Zahl von irischen M&auml;nnern, die um 1800 wegen Eigentumsdelikten verurteilt wurden, lag vor allem am Zusammenwirken mehrerer Faktoren wie erh&ouml;hter Armut, unzureichenden Sprachkenntnissen und fehlendem Normativit&auml;tswissen. Aleksandra Oniszczuk (Warschau/M&uuml;nster) zeigte am Beispiel des Herzogtums Warschau, wie neue Kategorien &auml;ltere ersetzten. Im napoleonischen Satellitenstaat galt zwar formell Religionsfreiheit, sodass eine rechtliche Diskriminierung aufgrund des Bekenntnisses untersagt war. J&uuml;d:innen war es aber noch immer &ndash; trotz rechtlicher Gleichheit &ndash; verboten, sich in bestimmten st&auml;dtischen Bereichen wohnlich niederzulassen, wenn sie als nicht &bdquo;zivilisiert&ldquo; galten oder verm&ouml;gend genug waren. Somit verschoben neue Rechtsnormen lediglich die Begr&uuml;ndungen f&uuml;r anhaltende Ungleichheit. Beate Althammer (Berlin/Trier) lenkte den Blick auf die rechtliche und gesellschaftliche Stellung polnischer Arbeitsmigrant:innen in den preu&szlig;ischen Territorien um 1900. Zwar waren sie arbeits- und aufenthaltsrechtlich schlechter gestellt als preu&szlig;ische Landarbeiter:innen, doch im konkreten Fall eines von ihr untersuchten Lohnstreits nutzte eine Gruppe polnischer Arbeitsmigrant:innen erfolgreich ihre pers&ouml;nlichen Netzwerke, um ihren ausstehenden Lohn vor Gericht einzuklagen. Althammer betonte zudem auch die Bedeutung von Verwaltungsvorschriften und Arbeitsweisen der Gerichte, die letztlich auch zur egalit&auml;ren Behandlung vor Gericht beitrugen. Intersektionalit&auml;t bedeutet also nicht nur die Verschr&auml;nkung von Ungleichheit zu analysieren, sondern auch Handlungsspielr&auml;ume sichtbar zu machen, die Menschen trotz Benachteiligungen und Diskriminierungserfahrungen entwickeln.</p>



<p>In ihrem Kommentar zeigte Ulrike Ludwig (M&uuml;nster), wozu der Ansatz konkret beitragen k&ouml;nnte. Dazu er&ouml;ffnete Ludwig vier zentrale Untersuchungsperspektiven: Erstens gelte es zu analysieren, mit welchen einzelnen sozialen Differenzkategorien Rechtsnormen verkn&uuml;pft sind und wie sie in der Rechtsfindung situativ aktualisiert werden. Zweitens m&uuml;sse danach gefragt werden, welche sozialen Differenzkategorien bereits in Rechtsmaterien eingeschrieben sind. Im vormodernen Erbrecht waren Geschlecht sowie der ehrliche und eheliche Geburtsstand beispielsweise wirkm&auml;chtige Kategorien sozialer und rechtlicher Differenzierung. Drittens m&uuml;sse man untersuchen, wo in der Rechts- und Gerichtspraxis Differenzkategorien und deren intersektionale Verschr&auml;nkungen an Relevanz gewinnen. Dabei m&uuml;sse man von der Anzeige- und Verfolgungspraxis &uuml;ber das Prozessrecht, Glossierungen und Kommentierungen der Rechtsnormen bis hin zur Rechtskonkretisierung und Gnadenpraxis fragen, wo soziale Differenzierungskategorien eine Rolle spielen und welche Auswirkungen diese haben. Viertens und letztens gilt es zu untersuchen, wie zeitgen&ouml;ssisch Differenzkategorien im Recht von Akteur:innen reflektiert und diskutiert werden, beispielsweise in der Strafzumessung. Der Wert solcher Untersuchungen sei klar: Intersektionalit&auml;t zwingt Forschende, soziale Ungleichheit nicht isoliert, sondern in ihrer Verschr&auml;nkung zu betrachten.</p>



<p><strong>Offene Fragen und ein klares Fazit</strong></p>



<p>In der Abschlussdiskussion wurden besonders drei Punkte intensiv diskutiert, die aber auch schon w&auml;hrend des gesamten Tages angeklungen waren. Zun&auml;chst wurde dar&uuml;ber debattiert wie mit der aktivistischen Facette des Konzepts in der Forschung umzugehen sei. Anliegen von Intersektionsanalysen sei es letztlich immer, strukturelle Diskriminierungen und Privilegien, die sich aus der &Uuml;berschneidung mehrerer Differenzkategorien ergeben, aufzuzeigen und abzubauen, um die Welt damit positiver zu gestalten. Historiker:innen k&ouml;nnten diesen aktivistischen Ansatz umsetzen, indem sie vergangene und heutige Gerechtigkeitsvorstellungen und -utopien historiografisch reflektieren und sich zu m&ouml;glichst realit&auml;tsgetreuen (Re-)Konstruktionen der Vergangenheit verpflichten. Der Tag wurde auch von der methodischen Frage begleitet, ob Intersektionalit&auml;t selbst schon eine Methode ist oder eher als ein Dach zu verstehen sei, unter dem sich verschiedene Ans&auml;tze versammeln. Damit zeigte sich, dass eine kritische Diskussion der Methodik unabdingbar ist, da Methodik immer auch Ergebnisse beeinflusst. Schlie&szlig;lich wurde auch das quellenkritische Problem er&ouml;rtert, dass insbesondere historische Dokumente soziale Differenzkategorien kaum systematisch, geschweige denn seriell erfassen. Insgesamt zeigte das nunmehr f&uuml;nfte Konzeptforum eindr&uuml;cklich, wie stark Intersektionalit&auml;t verschiedene Forschungszweige am Kolleg bereichern kann. Wer verstehen will, wie Recht soziale Unterschiede formt &ndash; und wie diese das Recht auf ganz vielf&auml;ltige Weise formen &ndash;, findet hier ein wirkm&auml;chtiges Werkzeug.</p>



<div><figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-1024x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-2048x2048.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Simon-Mueller-2048x2048.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></figure><div>
<p><a href="https://www.uni-muenster.de/EViR/fellows/juniorfellows/simonmueller.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Simon M&uuml;ller</a> ist Historiker und seit Oktober 2025 Junior Fellow am K&auml;te Hamburger Kolleg. Dort forscht er zur Gerichtslandschaft und Justiznutzung in den Territorien Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. </p>
</div></div>



<hr>



<p><strong>Zitieren als:</strong><br>M&uuml;ller, Simon, Wie Intersektionalit&auml;t hilft, die Geschichte von Vielfalt im Recht zu erz&auml;hlen, EViR Blog, 20.01.2026, <a href="https://www.evir.uni-muenster.blog/konzeptforum-intersektionalitaet/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">https://www.evir.uni-muenster.blog/konzeptforum-intersektionalitaet/.</a></p>



<p><strong>Lizenz:</strong><br>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



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<p></p>]]></content>
	<updated>2026-01-20T10:33:18+00:00</updated>
	<author><name>Simon Müller</name></author>
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		<updated>2026-01-20T10:33:18+00:00</updated>
		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<title type="html">Cycles de conférences “Nouveaux champs en sciences du patrimoine” : Les protections patrimoniales maritimes – 18 février 2026 (Séance 5)</title>
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	<content type="html"><![CDATA[<p>CYCLES DE CONF&Eacute;RENCES NOUVEAUX CHAMPS EN SCIENCES DU PATRIMOINE PROGRAMME 2025/2026 &ndash; PATRIMOINE ET ENVIRONNEMENT CINQUI&Egrave;ME S&Eacute;ANCE : &laquo; LES PROTECTIONS PATRIMONIALES MARITIMES &raquo; 18 F&Eacute;VRIER 2026 &ndash; 17H00 &ndash; 18H30 SALLE DE CIN&Eacute;MA &ndash; MUS&Eacute;E DU QUAI BRANLY &ndash; JACQUES CHIRAC Cette s&eacute;rie de conf&eacute;rences organis&eacute;es au Mus&eacute;e du quai Branly &ndash; Jacques Chirac a pour objectif d&rsquo;explorer les nouveaux champs de recherche et d&rsquo;exp&eacute;rimentations autour du patrimoine. Fruit d&rsquo;une collaboration entre le projet AMI Sphinx, l&rsquo;ISCHAL (Soci&eacute;t&eacute; internationale pour la recherche sur le droit du patrimoine culturel et le droit de l&rsquo;art), le Mus&eacute;e du quai Branly &ndash;...</p>]]></content>
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	<author><name>clarahochereau</name></author>
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	<title type="html">Leitfaden zum Archivrecht</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Jochen Zenth&ouml;fer in der heutigen FAZ: &ldquo;Bisher gab es keine breite Erl&auml;uterung des Archivrechts...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>Jochen Zenth&ouml;fer in der heutigen FAZ: &ldquo;Bisher gab es keine breite Erl&auml;uterung des Archivrechts als kompaktes Buch. Insofern schlie&szlig;t der nun vorliegende Leitfaden eine L&uuml;cke. Autor Thomas Henne ist hauptamtlicher Dozent f&uuml;r Archivrecht und Rechtsgeschichte an der Archivschule Marburg &ndash; Hochschule f&uuml;r Archivwissenschaft. Er stellt etwa die Frage, unter welchen Bedingungen Archivgut zerst&ouml;rt werden kann. Reichen Ressourcenknappheit wie mangelnder Lagerraum oder gar mangelnde Benutzung aus?</p>
<p>Ein Beispiel: Ein B&uuml;rgermeister m&ouml;chte einen Gro&szlig;teil der Papierakten, die bisher im Archiv verwahrt werden, digitalisieren und anschlie&szlig;end vernichten. Ist das rechtm&auml;&szlig;ig? Henne ist skeptisch. Das Grundgesetz begr&uuml;nde einen Informationsanspruch, der sich auf Quellen und nicht auf Surrogate beziehe. &bdquo;Ein Digitalisat kann immer nur einen Teil der Informationen in das neue Medium tragen.&ldquo; Es k&ouml;nne zwar zul&auml;ssig sein, Originale zu vernichten, aber nicht gro&szlig;fl&auml;chig. Interessant auch, dass sich f&uuml;r Henne aus dem Datenschutz kein Recht auf &bdquo;Vergessen(werden)&ldquo; gegen&uuml;ber &ouml;ffentlichen Archiven ergibt.</p>
<p>Gro&szlig; diskutiert wurde j&uuml;ngst zu Auskunftsanspr&uuml;chen der Presse gegen&uuml;ber Archiven, so beim Bundesnachrichtendienst. Henne vertritt die Position, dass zus&auml;tzlich zum Anspruch aus der Pressefreiheit im Grundgesetz auch ein Anspruch aus dem Bundesarchivgesetz erw&auml;chst. Geheimhaltungen im Archiv ergeben sich aus diversen Gesetzen. Dazu geh&ouml;ren die aktienrechtliche Pflicht zur Verschwiegenheit und das Steuergeheimnis. Bei der aktuell diskutierten Frage der Anbietungspflicht von Unterlagen der Mitglieder der Bundesregierung vertritt Henne eine deutliche Position: Anzubieten ist den Archiven alles, auch wenn es aus einer Zeit stammt, die konfliktbeladen war, wie das &bdquo;Ende der Regierung Merkel&ldquo;.</p>
<p>Nur an einer Stelle im Buch vermag Henne keine juristische Ansicht zu &auml;u&szlig;ern. Die Konkurrenz von Archiven, Museen und Bibliotheken &uuml;ber den Erstzugriff auf Unterlagen &ouml;ffentlicher Stellen sei derzeit einfach nicht aufl&ouml;sbar. Es fehle ein allgemeines Kulturschutzgesetz. Alle, die sich mit Archiven besch&auml;ftigen, k&ouml;nnen von dem Buch profitieren. Es ist praxisnah mit vielen Beispielen; offenbleibt, wie die Rechtsfragen im Ausland gel&ouml;st werden. Jochen Zenth&ouml;fer</p>
<p>Thomas Henne: Archivrecht &ndash; Leitfaden f&uuml;r Praxis und Ausbildung, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2025, 479 Seiten, 48 Euro.&rdquo;</p>]]></content>
	<updated>2026-01-19T18:10:37+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<title type="html">Ärger mit dem Tagebuch Anne Franks</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>&bdquo; Der internationale urheberrechtliche Status des weltber&uuml;hmten Tagebuchs Anne Franks ist seit Jahre...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>&bdquo; Der internationale urheberrechtliche Status des weltber&uuml;hmten Tagebuchs Anne Franks ist seit Jahren heftig umstritten und hat auch schon den Wikipedia-Betreibern Probleme bereitet. In Staaten wie Deutschland, Belgien oder &Ouml;sterreich gilt das Werk seit 2016 als gemeinfrei. Doch der in der Schweiz ans&auml;ssige Anne-Frank-Fonds pocht darauf, dass die Urheberrechte in den Niederlanden aufgrund spezieller &Uuml;bergangsregelungen noch bis 2037 fortbestehen. Dieser territoriale Konflikt ist im digitalen Zeitalter eskaliert und besch&auml;ftigt mittlerweile den Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH).</p>
<p>Stein des Ansto&szlig;es: Die niederl&auml;ndische Anne-Frank-Stiftung, die die Original-Schriften als Dauerleihgabe des niederl&auml;ndischen Staates h&auml;lt, hat zusammen mit wissenschaftlichen Akademien eine Online-Edition der Frank-Manuskripte herausgegeben. Die Organisation sperrte diese technisch per Geoblocking f&uuml;r den niederl&auml;ndischen Markt, um den Anspr&uuml;chen des schweizerischen Anne-Frank-Fonds gerecht zu werden. Der Fonds sieht dennoch seine Rechte verletzt, weil die Sperren mittels Virtual Private Networks (VPN) &uuml;berwunden werden k&ouml;nnten.</p>
<p>EuGH-Generalanwalt Athanasios Rantos hat nun in seinen Schlussantr&auml;gen vom Donnerstag in der Rechtssache C-788/24 herausgearbeitet, dass das blo&szlig;e Vorhandensein technischer Umgehungsm&ouml;glichkeiten nicht ausreiche, um illegale &bdquo;&ouml;ffentliche Wiedergabe&ldquo; durch den Hostern in einem gesperrten Land zu konstruieren. Nach Auffassung des Gutachters ist eine Ver&ouml;ffentlichung im Internet nicht automatisch an das Publikum jedes einzelnen Mitgliedstaates gerichtet.&ldquo;</p>
<p><a href="https://heise.de/-11143052" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://heise.de/-11143052</a></p>]]></content>
	<updated>2026-01-17T02:57:06+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<link href="https://siafdroit.hypotheses.org/1633" rel="alternate" type="text/html"/>
	<title type="html">La certification de copie conforme à l’original</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>La certification de la conformit&eacute; d&rsquo;une copie est une proc&eacute;dure qui permet d&rsquo;attester l&rsquo;exactitude m...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>La certification de la conformit&eacute; d&rsquo;une copie est une proc&eacute;dure qui permet d&rsquo;attester l&rsquo;exactitude mat&eacute;rielle d&rsquo;une copie au regard du document original qu&rsquo;elle reproduit. Encadr&eacute;e par le code des relations entre le public et l&rsquo;administration et le code du patrimoine, elle peut &ecirc;tre d&eacute;livr&eacute;e par les services publics d&rsquo;archives[1]. D&eacute;finition de la certification conforme La certification de copie conforme atteste la parfaite similitude entre une copie et le document original. Elle &eacute;vite ainsi les risques de contestation du contenu et/ou de falsification d&rsquo;une copie. &hellip; <a href="https://siafdroit.hypotheses.org/1633" rel="noopener noreferrer" target="_blank">Continuer la lecture de <span>La certification de copie conforme &agrave; l&rsquo;original</span> <span>&rarr;</span></a></p>]]></content>
	<updated>2026-01-09T15:42:21+00:00</updated>
	<author><name>voillotblanchard</name></author>
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		<title>Droit(s) des archives</title></source>

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	<title type="html">Patrimonialisation des droits d’usage : réflexion sur l’interaction entre pluralisme culturel et pluralisme juridique (Atelier OSMOSE, 4 février 2026)</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>4 f&eacute;vrier 2026 La patrimonialisation des droits d&rsquo;usage : r&eacute;flexion sur l&rsquo;interaction entre pluralis...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>4 f&eacute;vrier 2026 La patrimonialisation des droits d&rsquo;usage : r&eacute;flexion sur l&rsquo;interaction entre pluralisme culturel et pluralisme juridique Minist&egrave;re de la Culture 182 rue Saint-Honor&eacute; 75001 Paris Pr&eacute;sentation de l&rsquo;atelier Cet atelier est le quatri&egrave;me volet de la s&eacute;rie d&rsquo;ateliers de la 4&egrave;me&nbsp;&eacute;dition du programme Osmose, d&eacute;but&eacute;e le 19 mars 2024 au minist&egrave;re de la Culture.&nbsp; Les ateliers d&rsquo;Osmose 4 se d&eacute;roulent sur deux ann&eacute;es et visent &agrave; &eacute;tudier les rapports du pluralisme culturel et du pluralisme juridique, notamment &agrave; travers le prisme des droits d&rsquo;usage et des droits coutumiers, centraux dans la compr&eacute;hension par le droit du patrimoine culturel...</p>]]></content>
	<updated>2026-01-05T10:28:31+00:00</updated>
	<author><name>clarahochereau</name></author>
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		<updated>2026-01-05T10:28:31+00:00</updated>
		<title>Droit, patrimoine et culture</title></source>

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	<title type="html">Nicht nur Thomas Mann – heute ist Public Domain Day</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>https://netzpolitik.org/2026/public-domain-day-diese-werke-sind-ab-heute-gemeinfrei/
https://web.law...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://netzpolitik.org/2026/public-domain-day-diese-werke-sind-ab-heute-gemeinfrei/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://netzpolitik.org/2026/public-domain-day-diese-werke-sind-ab-heute-gemeinfrei/</a></p>
<p><a href="https://web.law.duke.edu/cspd/publicdomainday/2026/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://web.law.duke.edu/cspd/publicdomainday/2026/</a></p>
<figure aria-describedby="caption-attachment-246536"><a href="https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116.png" rel="noopener noreferrer" target="_blank"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-500x281.png" alt="" srcset="https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-500x281.png 500w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-300x169.png 300w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-768x432.png 768w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116.png 1200w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-500x281.png 500w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-300x169.png 300w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116-768x432.png 768w,https://archivalia.hypotheses.org/files/2026/01/IMG_0116.png 1200w" sizes="(max-width: 500px) 85vw, 500px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></a><figcaption>Fernand L&eacute;ger</figcaption></figure>]]></content>
	<updated>2026-01-01T13:02:58+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<updated>2026-01-01T13:02:58+00:00</updated>
		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<id>tag:vifa-recht.de,2025-12-23:/275313</id>
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	<title type="html">Cycles de conférences “Nouveaux champs en sciences du patrimoine” : Les zones tampons de la Convention du patrimoine mondial – 14 janvier 2026 (Séance 4)</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>CYCLES DE CONF&Eacute;RENCES NOUVEAUX CHAMPS EN SCIENCES DU PATRIMOINE PROGRAMME 2025/2026 &ndash; PATRIMOI...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p>CYCLES DE CONF&Eacute;RENCES NOUVEAUX CHAMPS EN SCIENCES DU PATRIMOINE PROGRAMME 2025/2026 &ndash; PATRIMOINE ET ENVIRONNEMENT QUATRI&Egrave;ME S&Eacute;ANCE : &laquo; LES ZONES TAMPONS DE LA CONVENTION DU PATRIMOINE MONDIAL &raquo; 14 JANVIER 2026 &ndash; 17H00 &ndash; 18H30 SALLE DE CIN&Eacute;MA &ndash; MUS&Eacute;E DU QUAI BRANLY &ndash; JACQUES CHIRAC Cette s&eacute;rie de conf&eacute;rences organis&eacute;es au Mus&eacute;e du quai Branly &ndash; Jacques Chirac a pour objectif d&rsquo;explorer les nouveaux champs de recherche et d&rsquo;exp&eacute;rimentations autour du patrimoine. Fruit d&rsquo;une collaboration entre le projet AMI Sphinx, l&rsquo;ISCHAL (Soci&eacute;t&eacute; internationale pour la recherche sur le droit du patrimoine culturel et le droit de l&rsquo;art), le...</p>]]></content>
	<updated>2025-12-23T09:46:50+00:00</updated>
	<author><name>clarahochereau</name></author>
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		<updated>2025-12-23T09:46:50+00:00</updated>
		<title>Droit, patrimoine et culture</title></source>

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	<id>tag:vifa-recht.de,2025-12-21:/275190</id>
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	<title type="html">Archivgesetz NRW soll novelliert werden</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>https://www.siwiarchiv.de/archivgesetz-nrw-ja-ist-denn-schon-weihnachten/</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><a href="https://www.siwiarchiv.de/archivgesetz-nrw-ja-ist-denn-schon-weihnachten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://www.siwiarchiv.de/archivgesetz-nrw-ja-ist-denn-schon-weihnachten/</a></p>]]></content>
	<updated>2025-12-20T20:15:31+00:00</updated>
	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<updated>2025-12-20T20:15:31+00:00</updated>
		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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	<id>tag:vifa-recht.de,2025-12-19:/275004</id>
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	<title type="html">Die Plünderung Lübecks</title>
	<summary type="html"><![CDATA[<p>Ein Blick in die Forschung



W&auml;hrend ihres Fellowships am K&auml;te Hamburger Kolleg bearbeiten die Wis...</p>]]></summary>
	<content type="html"><![CDATA[<p><strong>Ein Blick in die Forschung</strong></p>



<p>W&auml;hrend ihres Fellowships am K&auml;te Hamburger Kolleg bearbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein selbstgew&auml;hltes Projekt mit Bezug zum Kollegthema. Manchmal steht in diesen Projekten eine einzige Quelle im Mittelpunkt, manchmal sind es hunderte, und nicht immer handelt es sich um klassisches historisches Quellenmaterial. Deswegen haben wir unsere Fellows gebeten, eine Quelle vorzustellen, die zentral f&uuml;r ihr Forschungsprojekt ist, die besondere Aussagekraft hat oder die sich einfach spannend wie ein Krimi liest &ndash; ihre absolute Lieblingsquelle sozusagen.</p>



<p>Diese ver&ouml;ffentlichen wir fortlaufend an den Adventswochenenden und lassen auf diese Weise das Jahr noch einmal Revue passieren.</p>



<hr>



<p><strong><strong>Gundula Gahlen</strong></strong></p>



<p><strong>Projekt: <strong><strong>Gewalthandeln in der franz&ouml;sischen und &ouml;sterreichischen Armee im Spannungsfeld von Milit&auml;rstrafrecht, Kriegsrecht und Kriegsbrauch w&auml;hrend der Revolutions- und Napoleonischen Kriege (1792-1815)</strong></strong></strong></p>



<p><strong>Quelle:</strong> Charles de Villers, Villers Brief an die Gr&auml;finn Fanny von Beauharnois enthaltend eine Nachricht von den Begebenheiten, die zu L&uuml;beck an dem Tage, Donnerstag den 6ten November 1806 und folgenden vorgefallen sind, 3.&nbsp; Aufl., Amsterdam 1808 [Erstauflage 1807]</p>



<figure><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-600x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-600x1024.jpg 600w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-176x300.jpg 176w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-768x1310.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-900x1536.jpg 900w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-1200x2048.jpg 1200w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers.jpg 1239w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-600x1024.jpg 600w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-176x300.jpg 176w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-768x1310.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-900x1536.jpg 900w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers-1200x2048.jpg 1200w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gahlen_Villers.jpg 1239w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></figure>



<p></p>



<p>Der Brief ist gleichzeitig Anklageschrift und Petition. Sie bezieht sich darauf, dass im November 1806 die neutrale Stadt L&uuml;beck, in der der franz&ouml;sische Verfasser Charles de Villers lebte, erst von preu&szlig;ischen Truppen besetzt und nachfolgend von franz&ouml;sischen Truppen drei Tage lang gepl&uuml;ndert wurde.</p>



<p>Villers&lsquo; Brief war ein Versuch, sich f&uuml;r die L&uuml;becker einzusetzen, indem er sich an die befreundete Gr&auml;fin de Beauharnais, einer Verwandten von Napoleons Frau, und durch sie an Napoleon wandte, um von den brutalen Geschehnissen zu berichten und ihn zu Reparationszahlungen an die Stadt L&uuml;beck anzuhalten. Dies erzielte nicht die erhoffte Wirkung. Hierauf wandte sich Villers mit der Ver&ouml;ffentlichung des Briefes auf Franz&ouml;sisch und Deutsch an die aufgekl&auml;rte &Ouml;ffentlichkeit, um zu einer Zivilisierung des Krieges zu mahnen.</p>



<p>Interessant an der Quelle ist, dass Villers unterschiedliche Normensysteme als Argumente anf&uuml;hrt: die Moral, das Recht im Sinne von Naturrecht, das V&ouml;lkerrecht, das Kriegsrecht im Sinne von Kriegsraison sowie das Kriegsrecht im Sinne von Kriegsbrauch. Er bewertet fast alle rechtlichen Argumente moralisch und sieht die Moral als oberste Richtschnur an.</p>



<p>Die Rezeption des Briefes in Frankreich und Deutschland unterschied sich diametral: Auf franz&ouml;sischer Seite blieb der Brief weitgehend unbemerkt. Falls doch, wurde Villers als unversch&auml;mter Ankl&auml;ger oder sogar als Vaterlandsverr&auml;ter wahrgenommen. Im Gegensatz dazu wurde Villers&lsquo; Brief auf deutscher Seite als historischer Bericht und als einer der wichtigsten Appelle dieser Zeit f&uuml;r den Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung im Krieg betrachtet.</p>



<div><figure><img decoding="async" src="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-1024x1024.jpg" alt="" srcset="https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen.jpg 2048w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-1024x1024.jpg 1024w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-300x300.jpg 300w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-150x150.jpg 150w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-768x768.jpg 768w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen-1536x1536.jpg 1536w,https://www.evir.uni-muenster.blog/wp-content/uploads/Gundula-Gahlen.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" referrerpolicy="no-referrer" loading="lazy"></figure><div>
<p><a href="https://www.uni-muenster.de/EViR/fellows/ehemaligefellows/gundulagahlen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Prof. Dr. Gundula Gahlen</a> ist Historikerin und forscht unter anderem zur Polizei-, Milit&auml;r- und Gewaltgeschichte sowie zur Medizin- und Psychiatriegeschichte. Sie war von Oktobre 2024 bis M&auml;rz 2025 Fellow des K&auml;te Hamburger Kollegs.</p>
</div></div>



<hr>



<p><strong>Zitieren als:</strong><br>Gahlen, Gundula, Die Pl&uuml;nderung L&uuml;becks. Ein Blick in die Forschung, EViR Blog, 19.12.2025, <a href="https://www.evir.uni-muenster.blog/die-pluenderung-lubecks/" rel="noopener noreferrer" target="_blank">https://www.evir.uni-muenster.blog/die-pluenderung-lubecks/</a>.</p>



<p><strong>Lizenz:</strong><br>This work is licensed under a&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License</a>.</p>



<hr>



<p></p>]]></content>
	<updated>2025-12-19T10:54:00+00:00</updated>
	<author><name>Gundula Gahlen</name></author>
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		<title>Kommentare zu: Blog</title></source>

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	<title type="html">Italien will wieder die Public Domain schädigen</title>
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	<author><name>Klaus Graf</name></author>
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		<title>Archivrecht – Archivalia</title></source>

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